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Die neue Contemporary-Serie
der Deutschen Grammophon

Eine groß projektierte Serie zeitgenössischer Musik von der Deutschen Grammophon, die werbewirksam ins kommende Jahrtausend verweisen will: Das läßt aufhorchen! Nun sind die ersten fünf Folgen da: eine bunte Mischung in vielerlei Hinsicht. Die etablierte "Avantgarde" ist exemplarisch mit Pierre Boulez’ hochkomplexem, 40minütigem "Répons" für sechs Spieler vertreten (DG 457605-2), einer kulinarisch-eisigen Bedrohung für anspruchsvolle Ohren. Mitglieder des Ensemble Contemporain unter Leitung des Komponisten agieren mit traumwandlerischer Sicherheit. Das Klangbild ist außerordentlich plastisch und gibt die plasmatisch umherwirbelnden Strukturen klar konturiert wieder – auch im "Dialogue de l’hombre double" für Klarinette mit elektro-akustischem Schatten, exquisit dargeboten von Alain Damiens. Ausschließlich Solistisches – seine sämtlichen 14 Sequenzas – gibt’s von Luciano Berio, wiederum fulminant gespielt von Mitgliedern des Ensemble Intercontemporain (DG 457038-2). Erstmals auf CD zu hören dabei: die Stücke für Fagott und für Akkordeon. Es ist nicht eine musikalische, sondern eine klangsinnlich-virtuose Kontinuität, die diesen Stücken gemein ist. Paradenummern für Interpreten des Modernen, nicht ohne Zirkusgeruch. Nun sind also alle Stücke in einer 3-CD-Box vereint. Nicht allzu aufregend, aber hochnotalbern sind alte Späße von Mauricio Kagel in Wiederveröffentlichung: "1898" und "Musik für Renaissanceinstrumente" (Leitung: Kagel) mögen manchem Sammler willkommen sein (DG 459570-2).

Wie ein Fremdkörper nimmt sich André Previns Oper "A Streetcar Named Desire" in dieser Umgebung aus, indem Belcanto, Jazz, Revue usw. brillant sich kreuzen, pfiffig instrumentiert und versiert im Timing. Echtes Profiwerk zum Genießen, mit Renée Fleming im Zentrum des Geschehens und der San Francisco Opera unter Maestro Previn (DG 3CDs 459366-2). Von zeitlosem Wert schließlich ist die neue Takemitsu-Kompilation der London Sinfonietta unter Oliver Knussen (Signals from Heaven, Quotation of Dream, How Slow the Wind, Twill by Twilight, Archipelago S. und Dream/Window) – verdammt perfekt musiziert, wobei das Zeichnerische mehr hervorsticht als das Atmosphärische. Takemitsus singulär transzendente Position im Fadenkreuz von Japanischem, Debussy/Messiaen/Delius und Cineastisch-Illustrativem wird ein weiteres Mal meisterhaft nachgezeichnet (DG 453495-2). Ein vielversprechender Start, der weitere Wege in vielen Richtungen offenläßt. In der nächsten Folge von 20/21 soll u. a. Elliott Carter jüngstes magnum opus für großes Orchester "Symphonia" enthalten sein.

(csc)

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