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Pehr Henrik Nordgren

geb. 19.1.1944, Åland

Unter den nordischen Komponisten hat der Finne Nordgren eine Ausnahmestellung. Von der Geige kommend, begann er als Jugendlicher total auf sich allein gestellt mit dem Komponieren und gelangte von einstimmigen "Symphonien" bis zu gigantischen Orchesterwerken, mit deren Präsentation er als Student an der Sibelius-Akademie abgelehnt wurde. Dann erhielt er Privatunterricht bei Joonas Kokkonen, der seine Begabung erkannte. 1967 wurde er mit ªEuphonie I´ für Orchester bekannt, zwei Jahre später gelang ihm mit ªEuphonie II´ der Durchbruch. Sein gewaltigstes Opus ist das gesellschaftskritische ªAgnus Dei´ (1971). Mehrere Aufenthalte in Japan führten seinem kaum zu zügelnden Ausdrucksbedürfnis eine objektivierende Komponente zu, z. B. ªTurning Point´ für Orchester (1972), 1. Symphonie (1974) oder die 10 ªKwaidan Ballads´ für Klavier (1972-77).
Werkgruppen. Mit seiner japanischen Frau zog er in das finnische Dorf Kaustinen, von wo aus die legendäre Zusammenarbeit mit Juha Kangas und dessen 1972 im benachbarten Kokkola gegründetem Ostrobothnian Chamber Orchestra begann. Seither hat Nordgren mehr Werke für und mit Streichorchester geschrieben als je ein Komponist seines Ranges. Angeregt durch Kangas, bezieht Nordgren immer wieder finnische Folklore (oft stark verfremdet) in seine Werke ein. Fast schon eine eigene Gattung bilden seine zahlreichen Solokonzerte in Form obsessiver Selbstgespräche. Unter seinen 6 Symphonien ragt die 3. (1993) hervor, die auf engstem Raum schärfste Konflikte austrägt und an Schlüsselstellen Themen seiner Opern ªDer schwarze Mönch´ (1981) nach Tschechov und ªAlex´ (1982-3) exponiert.

Stil und Form. Vergleichbar den Schweden Allan Pettersson und Anders Eliasson ist Nordgren ein nordischer Existentialist, der zwanghaft Musik von dunkler, explosiver Glut hervorbringt. Seine Werke entstehen unvorhersehbar, ausladenden Improvisationen gleich. Entscheidende Impulse empfing er von György Ligeti, dessen Clustertechnik er machtvollem Melos unterwarf, woraus eine eigenartige Mischung aus Heterophonie und Monodie resultiert und eine "melodisch-polyphone Clustertechnik. Seine ethische Leitfigur war immer schon Dmitrij Schostakowitsch. Mit dem Esten Arvo Pärt und dem Letten Peteris Vasks teilt er gegenseitige Bewunderung.
Christoph SchlürenDiese dunklen Gefühle von Mitleid, Schmerz und Klage sind die Hauptsache in meinem Leben von früher Kindheit an gewesen. Ich fühle immerzu so viele deprimierende Dinge um mich herum. Das auszudrücken ist für mich ein natürlicher Bedarf. Aber nichts daran kann ich erklären. Dabei bin ich doch kein Tier: Ich denke, daß ich denke…
Pehr Henrik Nordgren, 1996
Nordgren ist ein Komponist mit einer unbeschränkten Phantasie, großer Spontaneität und einem fantastischen Klanginstinkt. Ich bin sicher, daß die Welt ihn noch entdecken und ganz groß rausbringen wird.

Sergiu Celibidache, 1995

(Beitrag für Harenberg Komponistenführer)

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