Lesen Sie die Kritiken der Konzerte in München, Herrsching und Ulm
Süddeutsche Zeitung München
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Neu-Ulmer Zeitung
Südwest Presse
Schwäbische Zeitung
Beethovens Tripelkonzert ist leider nur selten zu hören, denn
das anspruchsvolle Werk verlangt als Solisten ein Klaviertrio, das
solistische Brillanz mit kammermusikalisch präzisem Zusammenspiel
verbindet. Für das Konzert des Jugend-Symphonie-Orchesters
München im Herkulessaal hatte man hierfür drei junge,
aber bereits preisgekrönte Musiker verpflichtet - eine exzellente
Wahl.
Den schwierigsten Part hatte die Cellistin Ulrike Hofmann. Sorgsam
kommentierte sie mit warmem, näselndem Ton die Stichworte,
die das von Alejandro Vilar dezent geleitete Orchester ihr gab,
bravourös-energisch nahm sie die Bälle auf, die ihr die
Geigerin Ariadne Daskalakis zuspielte. Aus dem relativ schlichten,
ursprünglich für Beethovens Gönner Erzherzog Rudolf
bestimmten Klavierpart kitzelte Juan José Chuiquisengo ein
Höchstmaß an lyrischer Farbigkeit heraus.
Nach der Pause konnte sich das Jugendorchester nicht mehr hinter
Solisten verstecken. Aber verstecken muss es sich mit seiner niveauvollen
Leistung auch keineswegs.
Freilich, Rossinis Semiramide-Ouvertüre hätte eine Spur
mehr Leichtigkeit und Witz vertragen, das Klangschwelgen in Tschaikowskys
Romeo-und-Julia-Ouvertüre wurde durch kleinere Intonationsschwächen
etwas beeinträchtigt. Aber alles in allem eine klanglich und
technisch hervorragende Leistung, auch ohne Anrechnung eines Laienbonus.
Verdienter Beifall.
SEBASTIAN WERR, Süddeutsche Zeitung,
02.10.2003
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Herrsching - Das Publikum war zwar in der Herrschinger Bildungsstätte zahlreich erschienen. Die dennoch vielen leeren Plätze zeugten aber davon, dass entweder dem Jugend Symphonie Orchester München zu wenig zugetraut wird, oder das Programm nicht populär genug erschien. Jammerschade, hatte doch das Orchester der ab 15-jährigen Talente eine Rarität mitgebracht: das Tripelkonzert für Klavier, Violine, Violoncello und Orchester C-Dur op.56 von Beethoven. Dass dieses Konzert nur selten gespielt wird, liegt neben dem finanziellen Aspekt vor allem daran, das es nicht einfach ist, drei gleichwertige Solisten zu finden, die in einem kammermusikalischen Trio zusammen harmonieren. Hier war es auf einem sehr hohen Niveau gelungen.
Die US-Amerikanerin griechischer Abstammung, Ariadne Daskalakis, hat als Geigerin bereits einen weltweiten Karrierestart hinter sich und ist Professorin an der Kölner Musikhochschule. Die Cellistin Ulrike Hofmann erlangte ebenfalls bereits internationales Renommee und übernimmt nun die Stelle als Solo-Cellistin an der Komischen Oper Berlin. Die steile Karriere des in München lebenden peruanischen Naturtalents Juan José Chuquisengo gleicht einem Märchen, das offenbar ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.
Der musikalische Zugriff der drei jungen Virtuosen war zwar sehr unterschiedlich, doch gelang ihnen im Ensemble eine detailliert abgestimmte Homogenität, die sich auch auf das Orchester übertrug. Der argentinische Leiter des Orchesters, Alejandro Vila, hatte so keine Mühe, seine Instrumentalisten klanglich entsprechend abzustimmen. Es entstand ein überaus schlüssiger Dialog der zwei Ensembles, zumal sich die Solisten der Gesamtwirkung stets bewusst blieben. Das Cello sang temperamentvoll und ließ sich in die Brillanz der Geige entführen, während der Flügel eine geistvolle Harmonie ausbalancierte. Das Allegro gelang überaus spannungsreich und öffnete sich zum zentralen Largo, das eine große Schönfarbigkeit atmete. Das abschließende Rondo alla Polacca folgte im straffen Rhythmus und tänzerischer Leichtigkeit, ohne jedoch an Tiefgang zu verlieren.
Blitzsauberes Spiel
Rossinis Ouvertüre zu Semiramide schien dem Orchester viel
Vergnügen zu bereiten, wirkte es doch sehr frisch und variationsreich.
Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia überforderte
dagegen die engagierten Symphoniker, weniger in der technischen
Durchführung als vielmehr im musikalischen Verständnis.
Trotz blitzsauberer Spielweise und schöner Motiv-Exposition
gelang es Vila nicht, die atmosphärische Weitläufigkeit
zu entlocken. Dem eröffnenden Choral fehlte es an intimer Frömmigkeit,
während die Dramatik im Allegro giusto die nötige Tiefe
vermissen ließ. Das abschließende Moderato assai verfehlte
letztendlich die melancholische wie düstere Atmosphäre
und verfiel ins leicht Monumentale. Die Konsequenz in der Interpretation
rettete zumindest die Geschlossenheit der Dichtung.
Insgesamt also eine reife Leistung des jungen Orchesters, das den
großzügigen Applaus auf alle Fälle verdient hat.
REINHARD PALMER , Süddeutsche Zeitung
vom 01.10.2003
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Herrsching - Es ist bereits eine schöne Tradition, dass das Münchner Jugendsymphonie-Orchester mit seinem Herbstkonzert auch im Landkreis Starnberg gastiert. Die jährlich neue Besetzung sorgt genauso für Spannungsmomente wie die stets ambitionierte Werkauswahl. In Herrsching bot das Konzert ein Programm aus Beethoven, Rossini und Tschaikowsky. Was sich hinter Beethovens "Tripelkonzert" verbirgt, machte das Ensemble zu Beginn aufs Schönste deutlich.
Gleich drei Solostimmen gesellen sich zum Orchester dazu - im diesem
Falle Klavier, Cello und Geige. Dieser Dreiklang exponierter Musiker
ermöglicht ein quasi kammermusikalisches Spiel im Wechsel mit
dem 60-köpfigen Klangkörper. Eine klare Exposition der
Streicher, dann erhoben die Solisten ihre Stimmen. Zunächst
das tief bebende Sehnen des Cellos, gefolgt vom süßen
Modulieren der Geige, zuletzt das glockenhelle Perlen des Klaviers.
Ulrike Hofmann, Ariadne Daskalakis und Juan José Chuquisengo
sorgten für emotionale Variationen, wobei das stets zuerst
sprechende Cello eine herausragende Stellung erhielt. Ein leiser
Streicherhauch begleitete die Solisten, bevor ihre Vorgaben vom
Orchester in kongenialer Luftigkeit ausgebaut wurden.
Die große Transparenz im Klangbild konnte das Jugendsymphonieorchester
auch im Largo beibehalten, wo die Zwiesprache zwischen Cello und
Fagotten mit großer Wärme ausgeführt wurde. Im Rondo
bewiesen die Nachwuchsmusiker, wie gut sie die dialogische Struktur
der Komposition auszudeuten Tripelkonzert vermochten. Fast turtelnd
wanderten die Motive von der Geige zum Klavier, behände setzten
Oboen und Querflöten von hinten Akzente. Für das mit Anmut
und Grazie umgesetzte Tripelkonzert erhielten besonders die Solisten
verdienten Applaus.
Rossinis Semiramide-Ouvertüre eröffnete mit einem Pulsieren
der Streicher. Das musikalische Kriminalstück über einen
Königsmord wurde durch saubere Pizzicati der Streicher und
einen kräftigen Hörnersatz zu einem sauber gewebten Spannungsteppich.
Mitten im Stück gestaltete sich das Tappen des königlichen
Trosses zu einem fulminanten Crescendo: Italienische Gutlaunigkeit
pur. Schwere Kost für die Ohren bot hingegen Tschaikowskys
Fantasie-Ouvertüre über das Thema von Romeo und Julia.
Dunkel dräuende Celli, lastende Tutti der Streicher - selbst
die Querflöten schienen von einem bleiernen Schatten befallen.
Das von Taschaikowsky in düsterer Dramatik verweigerte Happy
End schien den meisten der rund 70 Zuhörern zu sperrig gewesen
zu sein. Zuletzt wurde nur ermattet geklatscht, obwohl das von Alejandro
Vila geleitete Ensemble in seiner diesjährigen Zusammensetzung
technisch und emotional überzeugte.
VON ANDREAS BRETTING, Münchner Merkur
vom 30.09.2003
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Neu-Ulm. Einen ganzen Beethoven-Abend bescherte das neunte Konzert
der Sommerlichen Ulmer Musiktage im Edwin-Scharff-Haus. Der künstlerische
Leiter der "sum", Christoph Denoix und die NEU-ULMER ZEITUNG
hatten dafür das Jugend-Symphonie-Orchester München und
drei hochklassige Solisten nach Neu-Ulm eingeladen.
Der Jugendförderung, einem wichtigen Aspekt der "sum",
wurde bei diesem Konzert besonders Rechnung getragen, nicht nur
in Gestalt des Orchesters, das jung an Jahren ist, aber mit sehr
hohem Niveau und großer Professionalität überzeugte:
Denoix gab musikalisch besonders interessierten und talentierten
Schülern und Schülerinnen aus Ulm und Neu-Ulm die Gelegenheit,
in der Pause Tuchfühlung aufzunehmen mit den Musikern, was
begeistern angenommen wurde.
Erlesenes stand auf dem Programm: Ludwig van Beethovens 1805 entstandenes
"Tripelkonzert". Genau vier Tripelkonzerte gibt es weltweit,
drei davon entstammen dem 20. Jahrhundert, so dass Beethovens Werk
in C-Dur op. 56 in seiner Kombination aus Orchester und Solistentrio
(Violine, Cello, Klavier) eine musikalische Kostbarkeit darstellt.
Bisweilen hat Beethovens Tripelkonzert schon große Künstler
verführt, aneinander vorbei zu spielen - an diesem Abend gelang
den Solisten wunderbare Harmonie in nuancierter, fließender
Kommunikation. Die temperamentvolle Ariadne Daskalakis, in Amerika
geborene Tochter griechischer Einwanderer und Professorin an der
Kölner Musikhochschule, zauberte wie verschmolzen mit ihrer
Violine lichtvolle Grundstimmung in faszinierender Tonreinheit,
die erst 28-jährige Ulrike Hofmann prägte den extrem schwierigen
Cello-Part mit Feinfühligkeit und bewegter Mimik. Den Klavierpart,
ehedem geschrieben für Beethovens Schüler und Gönner,
Erzherzog Rudolf, hatte ein ganz außergewöhnlicher Mann
inne. Juan José Chuiquisengo wuchs in Peru auf, in Verhältnissen,
wo klassische Musik kaum eine Rolle spielte. Durch Zufall kaufte
sein Vater für fünf Dollar ein altes Klavier, und als
Neunjähriger studierte Chuquisengo bereits am Nationalen Konservatorium
in Lima. In den achtziger Jahren wurde er Schüler von Sergiu
Celibidache, der seine tiefe Sensibilität erkannte und sieben
Jahre mit im im Verborgenen arbeitete.
Nach der Pause konnte sich das Jugend-Symphonie-Orchester München
unter Leitung Alejandro Vilas - ebenfalls einem Celibidache-Meisterschüler
- mit Beethovens IV. Symphonie B-Dur profilieren, einem Werk, mit
dem Beethoven 1807 die deutsche musikalische Klassik zur Vollendung
führte (während in Wien bereits der Wandel hin zur Romantik
geschah). Vollendet schön erklangen dann auch die vier Sätze
dieser Symphonie. Der donnernde Applaus am Ende des Abends war hoch
verdient.
DAGMAR KÖNIGSDORFER, Neu-Ulmer Zeitung
vom 22.7.2003
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Junge Talente, die schon über hohes professionelles Können
verfügen, gastierten jetzt bei den Sommerlichen Ulmer Musiktagen
im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus.
Das Jugend-Symphonie-Orchester München besteht aus talentierten
Schülern und angehenden Berufsmusikern, die in wöchentlichen
Proben und Intensivprobenphasen sinfonische Werke vom Barock bis
zur Moderne erarbeiten. Seit Herbst 2000 leitet der Celibidache-Schüler
Alejandro Vila das Orchester.
Stammhaus des Orchesters ist der Herkulessaal der Münchner
Residenz. In Neu-Ulm standen zwei Beethoven-Werke auf dem Programm.
Zuerst erklang das Tripelkonzert C-Dur mit drei hervorragenden Solisten.
Ariadne Daskalakis ist ARD-Preisträgerin und Professorin für
Violine an der Musikhochschule in Köln. Ulrike Hofmann beginnt
in wenigen Wochen als Solo-Cellistin an der Komischen Oper in Berlin
und ist mehrfache Preisträgerin bei nationalen und internationalen
Wettbewerben. Der Pianist Juan José Chuquisengo, von Celibidache
protegiert, gewann wichtige Musikpreise und gastierte mit namhaften
Orchestern.
Schon im 1. Satz des Tripelkonzertes (Allegro) beeindruckte das
federleichte Zusammenspiel der drei Solisten. Jeder Ton hatte hohe
Qualität. Das Zusammenwirken mit dem Orchester war einwandfrei.
Das wunderschöne Cello-Sole in hoher Lage zu Beginn des 2.
Satzes (Largo) war ein Hochgenuss. Im Finalsatz brillierte der Pianist
genauso wie die Geigerin und die Cellistin. Das war absolut schallplattenreif.
Es gab riesigen Beifall für Dirigent, Solisten und das erstklassig
sekundierende Orchester. Eingelagert zwischen Beethovens titanischen
Sinfonien, der 3. (Eroica) und der 5. (Schicksalssinfonie), liegt
die lyrische 4. Symphonie B-Dur. Bei ihr wird Beethovens Schaffensgrundsatz
deutlich, eine Sinfonie aus einem einzigen Keim zu entwickeln. Eine
Rückbesinnung auf die Kunst Joseph Haydns ist erkennbar.
Dirigent Alejandro Vila bevorzugte warme Farben und musizierte feinfühlig.
Das galt insbesondere für das Adagio. Holz- und Blechbläser
lieferten sich im Menuetto (Allegro vivace) fröhliche Gefechte,
an denen sich die ebenfalls sehr guten Streicher immer wieder beteiligten.
Im Finalsatz glänzte das Orchester durchweg. Gesamtergebnis:
Die Gäste aus München brachten die beiden Beethoven-Werke
mit Bravour und detailgetreuer Ausformung.
CARLHANS FILIUS , Südwest Presse Zeitung
vom 22.7.2003
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Neu-Ulm - Ausschließlich Beethoven musizierten die Musikerinnen
und Musiker des Jugend-Symphonie-Orchesters München am Sonntagabend
im Edwin-Scharff-Haus Neu-Ulm unter der Leitung von Alejandro Vila.
Es war die vorletzte Veranstaltung der sommerlichen Ulmer Musiktage.
Für das eingangs gespielte Tripelkonzert stand mit Ariadne
Daskalakis, Violine, Ulrike Hoffmann, Violoncello, und Juan José
Chuquisengo, Klavier, ein technisch versiertes, exzellentes Solisten-Trio
zur Verfügung. Die Schönheit des Tripelkonzerts erschließt
sich nicht auf Anhieb. Es sind mehr die feinsinnigen Beziehungen
in kunstvoller Verschränkung denn schlagende Prägnanz
und kraftvolle Entwicklung, die musikalisch fesseln. Vor allem dann,
wenn sich drei hochrangige Virtuosen, wie hier, zusammenfinden,
um kammermusikalische fein ausgewogen zu musizieren, im Verbund
mit dem am Beginn allerdings etwas zögerlich einsetzenden Orchester.
Geradezu poetischen Ausdruck hatte das klanglich sehr farbige Largo,
das trotz seiner Kürze das Kernstück des Konzerts bildet.
Als schwungvolles Bravourstück gab sich das abschließende
Rondo alla Polacca.
Mit einer elegant-graziösen Leichtigkeit, dabei einem gemäßigten
Beethovenschen Pathos keineswegs abhold, widmeten sich die jungen
Musikerinnen und Musiker nach der Pause der Vierten Sinfonie B-Dur
(1807) des Meisters. Kein Künden, kein Ringen, keine Weltanschauung
in Tönen zeigt sich darin, eher eine von Gedanklichem wie Gegenständlichem
völlig losgelöste Musik, und doch unverkennbar Beethoven.
Der gebürtige Argentinier Alejandro Vila (er übernahm
im September 2000 das Jugend-Symphonie-Orchester München von
dem früheren Dirigenten Konrad von Abel) überwachte gleichsam
mit Argusaugen - kein Blick in die für in hier entbehrliche
Partitur lenkte ihn ab - die hochkonzentriert musizierende junge
Schar.
Das Adagio, musikalisch der schönste langsame Sinfoniesatz
Beethovens, schwebte in der still absinkenden Geigenmelodie und
der empfindsam emporsteigenden Klarinettenweise dahin. Die Instrumentalsoli
waren stets akkurat ausgeführt.
Humor zwinkert aus dem Schlusssatz; passend für die jungen
Musikerinnen und Musiker, die hier geradezu sprühten vor entfesselter
Musizierlust, nunmehr wohl auch ledig aller Anspannung, die sie
vielleicht da und dort doch mehr auf Nummer Sicher setzen ließ.
Mit reichem Beifall verabschiedete sich das Publikum von den sympathischen
Gästen aus München.
BARBARA PERKOVAC, Schwäbische Zeitung
vom 22.7.2003