Konrad von Abel & Phenomenology of Music Repertoire & Opera Explorer Projects Documentaries                           Rare music Links Contact

Carl Nielsen
(geb. 8. Juni 1865, Sortelung, Funen
– gest. 3. Oktober 1931, Kopenhagen)

Kleine Suite für Streichorchester
Op. 1 (FS 6)

II. Praeludium: Andante con moto - S.2
II. Intermezzo: Allegro moderato - S.5
III. Finale: Andante con moto—Allegro con brio - S.18

Carl August Nielsen wuchs in Sortelung, einem Dorf auf der malerischen Insel Fyn in Dänemark auf. Als siebentes von zwölf Kindern war seine Erziehung bescheiden, aber nicht unvorteilhaft für seine musikalische Entwicklung. Sein Vater war Amateurmusiker, und der junge Nielsen wusste die zahlreichen Spielmöglichkeiten gemeinsam mit seinem Vater oder alleine zu nutzen, vor allem auf der Violine. Schliesslich wurde er von heimischen Würdenträgern entdeckt und nach Kopenhagen geschickt, wo er das Konservatorium besuchte und eine vielseitige Karriere als Komponist, aufführender Künstler, Lehrer und Dirigent begann. Nielsen war der wohl originellste Künstler, der innerhalb der gesamten Musikgeschichte des Landes von Dänemark ausging. Sein einziger dänischer Vorfahre, der sich ebenfalls breiter internationaler Anerkennung erfreute, war Niels W. Gade (1817-1890), dessen konservativen, ausgesprochen deutschen Kompositionsstil Nielsen ganz allgemein mied. Die Leistung, für die Nielsen wohl am meisten im Gedächtnis geblieben ist, ist sein Zyklus von sechs Symphonien, geschrieben zwischen 1891 und 1925. Als Symphoniker aus Skandinavien ging seine internationale Beachtung unglücklicherweise nur schleppend voran und war zu seinen Lebzeiten von seinem exakten Zeitgenossen, dem Finnen Jean Sibelius (1865-1957), überschattet. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts begannen schliesslich prominente Dirigenten, sich seiner Symphonien anzunehmen. Neben diesen komponierte Nielsen in zahlreichen Genres, darunter eine Reihe von Liedern, ein wichtiges Bläserquintett und Konzerte für Violine, Flöte und Klarinette.

1888, zwei Jahre nach seinem Abschluss am Konservatorium, war Nielsen freischaffend als Geiger und Lehrer tätig und hatte inzwischen eine Reihe von kammermusikalischen Werken, darunter das Streichquartett g - Moll, op.13 (FS 4) und das Streichquartett in G - Dur (FS 5), geschrieben. In den folgenden Jahren sollte er eine Anstellung als zweiter Geiger am Königlichen Kapellenorchester bekommen und so die nächste Stufe seiner Karriere erklimmen. Aber das wahrscheinlich zentrale Ereignis seiner Übergangszeit war die Premiere seiner Suite für Streichorchester (FS 6) am 8. September 1888, aufgeführt vom Tivoli Orchester unter der Leitung von Balduin Dahl (1834-1891), mit dem Komponisten unter den Streichern. Eine zweite Aufführung folgte in Odense am 29. April 1889, dieses Mal als Teil seines Konzertdebuts als Dirigent. Die Aufnahme des Werks war enthusiastisch - bei beiden Aufführungen wurde der zweite Satz als Zugabe wiederholt - obwohl die Kritiker, darunter auch Gade, nicht einmütig in ihrem Lob waren. Nielsen betitelte die drei Sätze ursprünglich fantasievoll "Die Danaiden", "Tanz der Chariten" und "Die Bacchus Prozession". Als es daran ging, die Suite zur Veröffentlichung vorzubereiten, gab er diese Bezeichungen auf zugunsten gradliniger Titel auf, unter denen die Sätze heute bekannt sind. Er unterzog das Finale einer substantiellen Revision, und 1890 gab der Verleger Wilhelm Hansen das Werk unter dem Titel Kleine Suite fur Saiteninstrumente, Op. 1 heraus. Für das erste Hauptwerk eines aufstrebenden Komponisten, das eine solche öffentliche Aufmerksamkeit erringen sollten, war diese bescheidene "Antritts" - Benennung durchaus passend. Ebenso wie die Widmung des Werks an Orla Rosenhoff, seinem vertrauten Mentor und ehemaligen Lehrer am Konservatorium.

Anders als der Titel "Suite" vermuten lässt (Nielsen selbst kümmerte sich nicht um die Verkleinerungsform), ist dies ein recht kurzes Werk. Ausser was das Präludium betrifft, passt sich das Werk nicht der traditionellen barocken Struktur an, die üblicherweise aus stilisierten Tanzsätzen besteht; ein zeitgenössisches Gegenbeispiel findet man in Edvard Griegs (1843-1907) Suite aus Holbergs Zeit (1885), die eine direkte Nachbildung der alten Form ist. Gleichwohl sind die drei Sätze bezaubernd und elegant in ihrer Knappheit. Als das Werk eines 23 Jahre alten Komponistenneulings zeigt die Komposition einen frühreifen Fluss aller Standardtechniken, die zur damaligen Zeit beim Schreiben für Streicher gebräuchlich waren, darunter Pizzicato, Tremolo, reichlichen, aber besonnenen Gebrauch von divisi und klugen Kontrapunkt. Tatsächlich markiert diese frühe Leistung einen wichtigen Wendepunkt in Nielsens Komponistenkarriere, nach dem er sich mehr dem Schreiben von Werken grösseren Formats zuwandte, angefangen mit der Symphonischen Rhapsodie (FS 7) und gipfelnd in seinen grossen Symphonien. Nielsens Ouevre enthält nur zwei weitere Werke für Streichorchester, das Andante tranquillo e scherzo, Fs 310 (ungefähr 1887), und das elegische Ved en ung kunstners bare (An der Bahre eines jungen Künstlers), FS 58 (1910), obwohl diese in dem Medium nur als Ableitungen erhältlich sind, waren sie doch ursprünglich für Streichquartett - bzw. Quintett konzipiert. So ist die Suite die einzige echte Kreation für diese Besetzung.

Das Präludium ist der kürzeste und dramatischste der drei Sätze. Das Cello trägt als erstes Instrument die Melodie vor, während die erste Violine ihren Kommentar abgibt, und eine pulsierende Figur, eingeführt durch die zweite Geige, Bratsche und Bass eine permanente Kulisse für fast den gesamten Satz liefert. Als die ersten Violinen die tragende Rolle übernehmen, beginnt die ursprünglich gesetzte Harmonie, die auf einem Tonika - Pedal beruht, nach abwärts zu modulieren. Ein einziger Höhepunkt wird erreicht, erkennbar an der geschickten Verwendung eines invertierten Neapolitanischen Akkords in B. Dies kennzeichnet eine deutliche Abkehr von der ursprünglichen Tonart a - Moll, während zur gleichen Zeit eine baldige Rückkehr angekündigt wird. Eine Solobratsche wiederholt das Anfangsthema gegen ein hauchzartes Tremolo der Violinen.

Das Juwel der Suite ist das Intermezzo, in allem ein Walzer ausser in seiner Bezeichnung. Man fragt sich, ob die Walzer aus den Streicherserenaden von Antonín Dvořák (1841-1904) und Peter Tschaikowsky (1840 - 1893), komponiert 1875 und 1880, Inspirationsquellen für den beeindruckbaren Nielsen waren. Lässt man diese Mutmassungen beiseite, beschwört die Tonsprache dieses Satzes ohne Zweifel das Wiener Genre. Einen besonders koketten Geschmack liefert der Einsatz der Dämpfer während des gesamten Satzes und verleiht ihm einen Hauch transparenten Charmes. Es verwundert nicht, dass dieses Intermezzo als Zugabe bei den ersten zwei Aufführungen wiederholt wurde.

Als einen Teil seiner Revision fügte Nielsen dem Finale die langsame Einleitung hinzu. Indem er das Thema aus dem ersten Satz zitiert, schafft er eine zyklische Rückbesinnung, die dem Werk eine noch grössere Stringenz verleiht. Später im allegro con brio dient die Aufnahme des gleichen Themas als Wegweiser in diesem grundlegenden Durchführungsabschnitt, der sich ansonsten durch eine weitschweifige, mäandernde harmonische Sprache auszeichnet. Insgesamt erinnert die Ausgelassenheit dieses Finale, und auch in mancher Hinsicht die des gesamten Stückes, an die heiteren Symphonien des jungen Felix Mendelssohn (1809 - 1847). Obwohl die Kleine Suite nicht zu den häufiger aufgeführten Werken des Komponisten zählt, dachten er und seine Mitarbeiter hoch genug von dem Werk, dass sie es in das Programm der Gala anlässlich Nielsens sechzigstem Geburtstag am. 9. Juni 1925 aufnahmen.

Casey A. Mullin, 2010

Wegen Aufführungsmaterials wenden Sie sich bitte an Musikproduktion Höflich (www.musikmph.de), München.

Carl Nielsen
(b. 8 June 1865, Sortelung, Funen, Denmark
– d. 3 October 1931, Copenhagen, Denmark)

Little Suite for String Orchestra
Op. 1 (FS 6)

I. Praeludium: Andante con moto - p.2
II. Intermezzo: Allegro moderato - p.5
III. Finale: Andante con moto—Allegro con brio - p.18

Carl August Nielsen grew up in Sortelung, a village on the auf island of Funen (Fyn) in Denmark. As the seventh of twelve children in a working-class family, his upbringing was modest, though not unfavorable to his musical development. His father was an amateur musician and young Carl availed himself of numerous playing opportunities both alongside him and on his own, primarily on violin. Eventually, he was discovered by local dignitaries and sent to Copenhagen, where he attended the Conservatory and embarked upon a multifaceted career as a composer, performer, teacher and conductor. Nielsen's was arguably the most original voice to emanate from Denmark in the entire course of its musical history. His only Danish forebear to gain a broad international reputation was Niels W. Gade (1817-1890), with whom he was well acquainted at the Conservatory, and whose conservative, decidedly Germanic style he generally eschewed. The achievement for which Nielsen is best remembered is his cycle of six symphonies, written from 1891 to 1925. Unfortunately, as a symphonist from Scandinavia, his international reputation was slow to come, adumbrated during his lifetime by his exact contemporary, the Finn Jean Sibelius (1865-1957). By the 1950s and 1960s, prominent conductors began at last to take up his symphonies. Aside from these, Nielsen produced amply in other genres, including a number of songs, an important wind quintet, and concertos for violin, flute and clarinet.

In 1888, two years after his graduation from the Conservatory, Nielsen was freelancing as a violinist and teacher, and had already produced a number of chamber works, including the String quartet in G minor, Op. 13 (FS 4) and the String quintet in G Major, FS 5. In the following year he would win a post as a second violinist in the Royal Chapel Orchestra, thus ushering in the next phase of his career. But perhaps the capstone event of this transitional period was the premiere of his Suite for string orchestra, FS 6 on 8 September 1888, performed by the Tivoli Orchestra and conducted by Balduin Dahl (1834-1891), with the composer playing in the violin section. A second performance followed on 29 April 1889 in Odense, this time as part of his concert debut as a conductor. The work's reception was enthusiastic--on both occasions the second movement was repeated as an encore—even though the critics, Gade among them, were not unanimous in their praise. Nielsen originally referred the three movements by the fanciful titles "The Danaids", "Dance of the Charites", and "The Bacchus Procession." When it came time to prepare the suite for publication, however, he forewent these in favor of the more straight-forward labels by which the movements are now known. He also made substantial revisions to the Finale, and in 1890 the publisher Wilhelm Hansen issued the work under the title Kleine Suite fur Saiteninstrumente, Op. 1. As the composer's first major work to receive such public regard, this inaugural designation is fitting. And Nielsen's dedication to Orla Rosenhoff, his trusted mentor and former instructor at the Conservatory, is equally apt.

As the publisher's moniker suggests (Nielsen himself did not care for the diminutive title), this is the briefest of suites. Except for the prelude, it does not fit the traditional Baroque structure, which typically consists of several stylized dance movements; a contemporaneous counterexample can be found in Edvard Grieg's (1843-1907) suite From Holberg's time (1885), which is a direct emulation of the old form. Nonetheless, the three movements are charming and elegant in their conciseness. As the work of a novice twenty-three-year-old composer, this suite shows a precocious fluency of all the standard techniques familiar to string writing at that time, including pizzicato, tremolo, ample though judicious use of divisi, and clever counterpoint. Indeed, this early achievement marks an important turning point in his compositional career, after which he turned to writing more large-scale orchestral works, beginning with the Symphonic rhapsody, FS 7 and culminating in his great symphonies. Nielsen's oeuvre includes only two other works for string orchestra: the Andante tranquillo e scherzo, FS 310 (ca. 1887), and the elegiac Ved en ung kunstners bare (At the bier of a young artist), FS 58 (1910), though these are amenable to the medium only by derivation, having been conceived originally for string quartet and quintet, respectively. Thus, the Suite constitutes his single bona fide creation for these forces.

The Praeludium is the shortest and most dramatic of the three movements. The cello states the melody first, while the first violin gives commentary, and a pulsating figure, initiated by the second violin, viola and bass provides a constant backdrop for most of the movement. As the first violins take the leading role, the initially staid harmony, based on a tonic pedal, begins to modulate in an upward trajectory. A single climax is reached, notable for the adept use of an inverted Neapolitan chord, based on B-flat. This presents a significant departure from the home key of A minor, while at the same time ensuring a timely return to it. A solo viola states the opening theme once more, against a gossamer tremolo in the violins.

The jewel of the Suite is the Intermezzo, a waltz in all but name. One wonders if the waltzes from the string serenades of Antonín Dvořák (1841-1904) and Pyotr Il'yich Tchaikovsky (1840-1893), written in 1875 and 1880, respectively, might have been sources of inspiration for the impressionable Nielsen. Such speculation aside, the idiom of this movement evokes the Viennese genre unequivocally. A particularly coy touch is the deployment of mutes throughout the movement, which lends it an air of transparent charm. It is not at all surprising that this Intermezzo was played as an encore at the first two performances of the Suite.

Nielsen added the slow introduction as part of his reworking of the Finale. Quoting the theme from the first movement, he creates a cyclic link that renders the work even more succinct. Later, in the Allegro con brio, another appearance of the same theme serves a signpost in the substantial development section, which is otherwise marked by a discursive, meandering harmonic language. Overall, the exuberance of this Finale, and in some ways the whole work, is reminiscent of the jocular string symphonies written by the young Felix Mendelssohn (1809-1847). Though the Little suite is not one of the composer's most frequently performed works, he and his associates thought highly enough of it to include it on the program of a Gala concert held on 9 June 1925, on the occasion of his 60th birthday.

Casey A. Mullin, 2010

For performance materials contact Musikproduktion Höflich (www.musikmph.de), Munich.