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Orchestre des Régions Européennes

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Orchestertournee vom 21. Oktober – 3. November 2004

"VOM UNENDLICHEN " Die Wiederentdeckung von
Heinrich Kaminski, Reinhard Schwarz-Schilling und Heinz Schubert
Auszeichnung 2004: Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung

Programme

REINHARD SCHWARZ-SCHILLING - Introduction und Fuge (1933/48)
REINHARD SCHWARZ-SCHILLING - Largo aus "Sinfonia Diatonica" für 2 Trompeten , Percussions und Streicher (1957)
HEINZ SCHUBERT - "Vom Unendlichen", Präludium und Fuge für Sopran solo & 3 Streichquintette (1941)
HEINRICH KAMINSKI - Werk für Streichorchester (1928)

Concerts

Benediktbeuern,
Nidda,
Hanover,
Dessau,
Berlin,
Naumburg,
Munich,
Waldshut-
Tiengen,
Lyon

Photos of the rehearsals and concerts > Photo Gallery

About the composers: English > HERE / Deutsch > HIER

Press

Volker Tarnow, Die Welt, 29.10.04
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Konzert am 21.10.04 in Benediktbeuern
Reinhard Palmer, Süddeutsche Zeitung, 23./24.10.04
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Konzert am 21.10.04 in Benediktbeuern
Heribert Muser, Tölzer Kurier, 23.10.04
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Konzert am 23.10.04 in Nidda, Bad Salzhausen
Elfriede Maresch, Kreiszeitung, 25.10.04
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Konzert am 23.10.04 in Nidda, Bad Salzhausen
Elfriede Maresch, Kreiszeitung, 25.10.04
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Konzert am 26.10.04 in Dessau
Eckehard Pistrick,
Mitteldeutsche Zeitung, 2. 11. 04
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Konzert am 29.10.04 in Naumburg
Albrecht Günther, Naumburger Tageblatt, 2.11.04
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Konzert am 1.11.04 in Waldshut-Tiengen
Dorothea Rohrbach, Südkurier, Waldshut-Tiengen, 6.11.04
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Konzert am1.11.04 in Waldshut-Tiengen
Dorothea Rohrbach, Südkurier, Waldshut-Tiengen, 6.11.04
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Volker Tarnow, Die Welt, 29.10.04

Geheimes Deutschland der Musik
Komponist, Mystiker, Widerständler: Heinrich Kaminski kehrt zurück

Er trug die Krachlederne à la Martin Heidegger und konnt nur in weinlaubumrankten Holzhütten komponieren. Auf Fotos wirkt der aus dem Schwarzwald stammende Heinrich Kaminski stets pastoral-provinziell, wie die Inkarnation des vormodernen Deutschland. Künstlerisch jedoch hatte er mit Bollenhütten genauso wenig am Hut wie mit Jessels "Schwarzwaldmädel" – er schwebte in den Regionen eines Strauss und Hindemith. 1930 wurde er Pfitzners Nachfolger an der Akademie der Künste in Berlin. Die bedeutendsten Interpreten spielten sein Werk, die Wiener Universaledition druckte es. Dann kamen die Nazis. Mit viel Glück überstand er den braunen Terror, um 1946 in Freiheit zu sterben – just in dem Moment, als die Avantgarde geboren wurde. Sie verbannte seinen glanzvollen Namen für immer aus der Musikgeschichte.
Für immer? Ein junges französisches Orchester sorgt dieser Tage dafür, dass uns zu Kaminski wieder mehr einfällt als nur der name seines Schülers Carl Orff. Gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung, tourt das ausgezeichnete Orchestre des Régions Européennes durch Städte, die mit den Biographien des Komponisten und seiner engsten Schüler verbunden sind.
Verspätete Heimkehr. Zwischen 1925 und 1935 wurde Kaminski wie ein neuer Messias der Musik verehrt. Bruno Walter, Erich Kleiber und Hermann Scherchen haben seine polyphonen Hymnen immer wieder dirigiert. Furtwängler wagte noch im November 1934 die Aufführung der "Dorischen Musik" – zwei Tage, nachdem der Dirigent mit seinem Hindemith-Artikel die neuen Herren öffentlich angegriffen hatte.
Kaminski floh mehrmals in die Schweiz und nach Frankreich. Aber er kehrte immer wieder zurück. 1938 erteilten die nazis dem vermeintlichen "Halbjuden" Kaminski Aufführungsverbot, drei Jahre später rehabilitierten sie ihn als "Vierteljuden". Das jedoch verringerte die akute gefahr nicht.
Kaminski wandte sich der Mystik zu und gründete einen "Orden der Liebenden". Obwohl er unter Beobachtung der Gestapo stand, beherbergte er Mitglieder der "Weißen Rose" auf ihrer Flucht vor dem henker. Mit den Verschwörern des 20. Juli teilte er das altdeutsche Pathos, das hochmoralische Ethos. Sein Christentum war überkonfessionell, vertrug sich brüderlich mit der Lehre von Rosenkreuzern und Sufis. Eine Mischung, die nicht nur Parteiproleten suspekt war.
Die Ursachen unserer Kaminskivergessenheit haben denn auch wenig mit dem Dritten reich zu tun. Er war Widerständler in einem viel fundamentaleren Sinne. Seine Schöpfungen, vor allem das für Furtwängler geschriebene und wegen seiner Komplexität gefürchtete "Concerto grosso" für Doppelorchester, sind eine ingeniöse Fortsetzung der deutschen tradition: Kaminski empfing Bachs Geist aus Beethovens Händen mit Bruckners Fingerabdrücken. Doch genau davon hatte man 1945 genug. Das kollektive Vergessen traf auch seine Schüler Heinz Schubert und Reinhard Schwarz-Schilling.
Die vor zwei Jahrzehnten einsetzende Rehabilitation verdrängter und vernichteter Komponisten konzentrierte sich auf jüdische Autoren und auf erotisierende Narkotika des Musiktheaters; für Kaminskis Kreis fand sich keine Nische. Heute repräsentiert er mehr denn je die der Erde abgewandte Seite des Musikbetriebs – Klassik von einem anderen Stern. Kaum etwas wirkt unzeitgemäßer als die Ästhetik des Zeitlosen. Kaminski aber fragte beharrlich nach dem Sinn menschlichen Seins. Darin liegt seine Größe, seine Querständigkeit. Er blinzelte durch die Butzenscheiben und erblickte die deutsche Musik in ewigem Glanz – oder vielleicht nur das Abendlicht ihres Untergangs? Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Kaminski wiederkehrt oder ein drittes Mal untergeht.
Weitere Konzerte in Naumburg (29.10), München (31.10.), Waldshut-Tienegn (1.11.) und Lyon (3.11.04)

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Reinhard Palmer, Süddeutsche Zeitung, 23./24.10.04

Lohnende Entdeckungsreise in die Vergangenheit
Orchestre des Règions Europèenes unter Konrad Abel gibt überzeugendes Konzert in Benediktbeuern

Benediktbeuern - Eine Reihe von Faktoren begünstigten, dass Heinrich Kaminski in Vergessenheit geriet. Nach der Zeit von Bruckner, Strauss oder Mahler fiel die spätromantische Kompositionsweise des Schwarzwälders auf strapazierten Boden, wenn auch die Anerkennung seiner Werke zunächst enorm war. Seine pädagogische Arbeit war das größere Werk, hat sie doch großartige Persönlichkeiten geformt wie Carl Orff, aber auch heute unbekannte wie Reinhard Schwarz-Schilling (1904 - 1985), Vater des ehemaligen "Kabelministers" , und Heinz Schubert (1908 - 1945). Konrad von Abel widmet sich nun mit seinem international besetzten Orchestre des Règions Europèenes der Wiederentdeckung der drei Komponisten und begann damit am Donnerstag im Benediktbeurer Meierhof - unweit von Ried, der Wahlheimat Kaminskis.
Die einstige Bekanntheit der drei Komponisten ist hauptsächlich der Nachkriegsamnesie zum Opfer gefallen, begünstigt durch die anbrechende Moderne, die schnell vom kulturellen Desaster im Dritten Reich ablenkte. Abgesehen davon, dass Kaminski (1886 geboren), zwischenzeitlich mit einem Aufführungsverbot belegt, 1946 starb und Schubert schon 1945 im Volkssturm ums Leben kam.
Schwarz-Schilling bemühte sich darum, das Werk beider Komponisten am Leben zu erhalten, doch vergebens. An der Qualität der Werke lag es nicht, wie man sich im Konzert nach dem Konzept von Christoph Schlüren überzeugen konnte. Meisterhafte polyphone Entwicklung innerhalb der Werke ist wohl das Hauptmerkmal der Kaminski-Schule, wie auch die klangmalerische Anlage. Kaminskis viersätziges Werk für Streichorchester, 1916 als Streichquintett komponiert und von Schwarz-Schilling als "Gesellenstück" 1928 für ein Streichorchester gesetzt, ist nahezu ein Prachtstück eines dramaturgischen Aufbaus, gekoppelt an reiche Farbarrangements. Besonders reizvoll in Kombination mit Solostimmen, die den komplexen Stimmverläufen eine beeindruckende Transparenz verliehen. Die klangschöne Zurücknahme, eine bemerkenswerte Flexibilität und Wendigkeit des Orchesters überzeugten dabei.
Farbenreichtum beeindruckte in den Werken von Reinhard Schwarz-Schilling. In Introduktion und Fuge für Streichorchester drängte sich der Begriff der symphonischen Dichtung en miniature auf, wie sich auch das Largo aus der Sinfonia Diatonica ungeheuer feinfühlig entfaltete. Heinz Schubert trat als ein kraftvoller Komponist in Erscheinun, dessen "Vom Unendlichen" (Präludium und Fuge für Sopran und drei Streichquintette) dennoch von einer außergewöhnlichen Sensibilität im dramatischen Instrumentalpart zeugte. Der Sopranistin Susanne Winter fiel der poetische Part zu, den vor allem eine weite, schwärmerische Melodieführung im Sinne Strauss`auszeichnete. Winter formte hier nahezu schwerelos, wie auch das Orchester maßvoll agierte. Das Publikum gab deutlich zum Ausdruck, dass es von Abel gelungen war, von der Qualität der Werke zu überzeugen.

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Heribert Muser, Tölzer Kurier, 23.10.

Junge Musiktruppe leistet Pionierarbeit
Kaminskis "Streichorchester" im Maierhof

Benediktbeuern - Es hätte bei den Begrüssungsworten des ZUK-Vorstandsmitglied Josef Draxinger eigentlich erwähnt werden müssen: Nur wenige Wochen, nachdem der Komponist Heinrich Kaminski am 21. Juni 1946 in Ried verstorben und auf dem Friedhof von Benediktbeuern beerdigt worden war, öffneten die Salesianerpatres die Türen des Barocksaals für zwei Konzerte zum Gedächtnis des Musikers.
An den Wänden des Saales und im Flur hingen damals zahlreiche Originalwerke von Franz Marc, in dessen Haus der Musiker bis zu seinem Tode wohnte. Die beiden Konzerte mit dem Kaminski-Schüler Prof. Schwarz-Schilling am Flügel - unter den Besuchern Gabriele Münter und Wilhelm von Hausenstein - waren überfüllt. "Nach der Zeit des Ungeistes und in der schweren Nachkriegsnot glich dieses Ereignis einem strahlenden Sonnenaufgang, der einen neuen leuchtenden Tag verheißt" ( Prof. Leo Weber).
58 Jahre mussten vergehen, bis nun das Zentrum für Umwelt und Kultur in Zusammenarbeit mit der Münchner Musikproduktion Höflich im Allianzsaal des Klosters eine Hommage von Rang für Kaminski und seine Schüler veranstaltete. Es kann hier nicht erörtert werden, weshalb diese Musiker in Vergessenheit geraten sind, und es darf auch bezweifelt werden, ob die Tournee mit neun Konzerten des Orchestre des Règions Europèenes ( Besancon) unter der Leitung des Celibidache-Schülers Konrad von Abel tatsächlich zu der sicher wünschenswerten Wiederentdeckung führen wird.
Was zwischen den beiden Weltkriegen als "Aufbruch zu neuen Ufern" verkündet worden war, lebte nur kurze Zeit in Hochschulzirkeln weiter und wurde bald als "epigonale" Musik mit "Verkündigungsanspruch" ins Abseits gedrängt.
Wie die über 30 jungen Musikerinnen und Musiker jedoch auf bravouröse Weise zeigten, halten die aufgeführten Werke durchaus den Vergleich aus mit vergleichbaren Kompositionen der Moderne, die heute auf den Programmzetteln der Konzerte zu finden sind. Mit welcher Begeisterung und Hingabe Dirigent und Orchester die beiden Werke von Reinhard Schwarz-Schilling ( Introduktion und Fuge sowie das "Largo" aus der "Sinfonia diatonica") und im Verein mit der expressiv-glühenden Sopranstimme Susanne Winters den Hymnus "Vom Unendlichen" des 1945 gefallenen Heinz Schubert darboten, ließ keine Zweifel an der Qualität der Musik zu.
Nach der Pause dann der Höhepunkt mit Kaminskis auch in den einschlägigen Musikführern hoch gelobtem "Werk für Streichorchester".
Die vorbildliche Pionierarbeit der jungen europäischen Musiktruppe für einen nahezu vergessenen, im besten Sinne "altdeutschen" Komponisten wurde vom nicht allzu zahlreichen, aber konzentriert lauschenden Publikum mit begeistertem Beifall belohnt.

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Elfriede Maresch,, Kreiszeitung, 25.10.04

Ein Konzerterlebnis der besonderen Art
Beeindruckende Darbietungen des "Orchestre des Régions Europèenes" unter der Leitung Konrad von Abels

Bad Salzhausen (em). Es war ein junges Ensemble, das in Bad Salzhausen Heinrich Kaminski, Reinhard Schwarz-Schilling und Heinz Schubert spielte. Das "Orchestre des Règions Europèenes" wurde 1999 vom Dirigenten Konrad von Abel in der Franche-Comte`gegründet und ist auf internationalen Festivals ein gefragter Gast.

Für die Konzerttournee "Vom Unendlichen" wurde es noch mit einem Drittel zusätzlicher Musikerinnen und Musiker aufgestockt, ohne dabei seinen geschlossenen sublimen Klang zu verlieren. Den Gesangspart in Heinz Schuberts Nitzsche-Vertonung "Vom Unendlichen" übernahm die Sopranistin Susanne Winter, eine international auftretende Künstlerin, bekannt besonders als Bach-Sängerin.
Mit Reinhard Schwarz-Schillings "Introduktion und Fuge für Streichorchester" begann das Konzert. Zart-verhalten, improvisierend zeigte die Introduktion die subtile Klangfülle eines Streichorchesters, den charakteristischen und doch zum ganzen zustimmenden Klang der einzelnen Instrumentgruppen, der durch die polyphone Stimmführung noch unterstrichen wurde. In lebhafterem Allegro folgte die Fuge, wobei das Fugenthema den Anfang der Introduktion umgekehrt aufnahm und das Werk schließlich mit einer vitalen Temposteigerung zu Ende ging. Eine Komposition aus den 50er Jahren ist die Sinfonia diatonica des selben Komponisten, aus der hier das Largo mit seinen charakteristischen Kanon-Paaren der Streicher und einem eigenwillig mit gedämpften Trompeten und Schlagzeug ergänzten Mittelteil gespielt wurde. Nachvollziehbar ist bei der nuancierten Fülle der Streicherstimmen die vom Komponisten geäußerte Absicht, die "Unausschöpfbarkeit musikalischer Urkräfte" Gestalt werden zu lassen.
"Vom Unendlichen" - Heinz Schubert vertonte einen Text aus Nietzsches "Zarathustra" als Präludium und Fuge für Sopran und drei solistische Streichquintette, jeweils aus zwei Violinen, Viola, Cello und Kontrabass bestehend. Dialektisch zwischen Höhen- und Ruhepunkten bewegen sich die eigenständigen Stimmen des Präludiums. Klangvoll und leicht hob sich die Sopranstimme Susanne Winters vom dynamischen Streicherhintergrund ab, um sich zu einem reich verzierten Halleluja zu steigern - ein Gipfel elementarer Freude, von der Sopranistin höchst ausdrucksvoll geboten. Dem verklingenden Schluss-Amen folgte der begeisterte lang anhaltende Applaus des Publikums.
Schon 1916 begonnen, aber erst 1927 umgearbeitet, wandelte sich Heinrich Kaminskis "Streichquartett in fis-moll" zum "Werk für Streichorchester", das hier in der fast einstündigen Endfassung erklang. Die Streichorchester-Bearbeitung, vom Meister autorisiert, gilt als "Gesellenstück" des Schülers Reinhard Schwarz-Schilling. Verhalten beginnend, wird das Allegro-Thema immer rhythmisch betonter und klarer erkennbar, dann wieder im Andante verlangsamt, gedämpft, um nach rhythmisch gespannten Zwischensätzen in ein Fuge zu münden, deren Stimmenspiel zwischen Spannung und Lösung, zwischen Hell und Dunkel in einem dichtgespannten klangvollen Netz schließlich in den Orgelpunkt mündet. Es war nicht nur die hohe interpretatorische Leistung von Orchester, Dirigent und Sängerin, die das Salzhäuser Publikum so begeisterte. Es war auch die von Schwarz-Schilling und den Musikern sorgfältig vorbereitete Begegnung mit einer fast vergessenen Facette der Musikgeschichte in ihrer künstlerischen Charakteristik und menschlichen Tragik. Noch nie seien die Werke dieser drei inhaltlich miteinander verbundenen Komponisten gemeinsam aufgeführt worden, meinte Christoph Schlüren und fand ein charakteristisches Kürzel: "Polyphone Hymniker ".
Die Verbindung von Interpretation, Zeit- und Werkgeschichte macht den Zuhörern den Zugang leicht und so gab es mehrere spontane Ausrufe: "So ein Konzert haben wir in Salzhausen noch nie erlebt!"

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Elfriede Maresch, Kreis-Anzeiger, 25.10.2004

"Schönste Form der Kommunikation mit Toten"
Lebensbilder dreier herausragender Komponisten aufgezeichnet – Vorgespräch mit Dr. Christian Schwarz-Schilling

BAD SALZHAUSEN. Eine künstlerische Fülle tat sich auf, als die interessierte Öffentlichkeit in den 80er Jahren die "Verbrannten Dichter", die vom Nationalsozialismus unterdrückten, diffamierten und verfogten Autoren wieder entdeckte. Wie aber steht es mit den "Totgeschwiegenen Musikern"? Dass auch auf dem Sektor Komposition Werke von großer Inspiration und künstlerischer Bedeutung in Vergessenheit gerieten, zeigte das beeindruckende Konzert am Samstagabend in Bad Salzhausens Kursaal.
Das Zustandekommen hat man einem glückhaften Netzwerk zu verdanken: Der Dirigent Konrad von Abel, Schüler Sergiu Celibidaches, wirkt international als Dirigent berühmter Orchester und Pädagoge. Er entdeckte schon vor 20 Jahren das Werk Heinrich Kaminskis für sich. Dabei steht er in freundschaftlichem Dialog mit seinem ehemaligen Kommilitonen Christoph Schlüren, einem Musikwissenschaftler und künstlerischen Organisator. Über Kontakte in Canada hatte Schlüren CDs mit Werken ds Kaminski-Schülers Reinhard Schwarz-Schilling bekommen und war damit auf eine musikalische Grundströmung gestoßen, die sich in den zwanziger bis vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hoher Wertschätzung erfreute, aber nach 1933 als nicht genehm unterdrückt wurde.
Man kann das Gespräch mit Dr. Christian Schwarz-Schilling, der zum 100. Geburtstag seines Vaters an einem Konzert interessiert war und erfuhr dessen großzügige Unterstützung beim Prozess der Zusammenstellung und Umsetzung einer Konzerttournee, die mit 9 Aufführungen von Berlin bis Benediktbeuern kreuz und quer durch die Republik führt. Das Vorhaben wurde mit dem Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung ausgezeichnet.
Warum eine mühsame Spurensuche im Vorfeld? In einem Vorgespräch Dr. Christian Schwarz-Schillings mit Christoph Schlüren wurden die Lebensbilder der drei Komponisten wie deren unverdient abwertende Rezeption, ja, zum teil ihr konsequentes Vergessen-Werden in der Nachkriegszeit deutlich. Heinrich Kaminski (1886-1946), erfolgreich als Komponist wie als Dirigent, verband in seiner Musik geistig-religiöse Impulse mit einer hohen kompositorischen Begabung. Er war inspiriert von der großen deutschen Polyphonie-Tradition vonn Bach über Beethoven bis Bruckner, die er auf eigenständige Weise fortsetzte und damit eine klangliche Gegenwelt in einer Zeit der Verstörung und Gewalt schuf. Von seinen Werken gibt es heute nicht einmal eine Schallplatte.
Sein Schüler Reinhard Schwarz-Schilling (1904-1985) sah in der Musik das "Laut- und Hörbarwerden eines geistigen Geschehens" und erlebte durch seinen Lehrer Kaminski fruchtbare künstlerische Inspiration, ohne seine komplexe, wenn auch verhaltene Expressivität dabei zu verlieren. Mit seiner Familie überlebte er das Dritte Reich nur, weil ein Beamter mit Zivilcourage die Papiere seiner polnischen Frau fälschte. Als einzigem der drei Komponisten des Konzertes war ihm nach dem krieg ein langes produktives leben als Lehrer an der Berliner Musikhochschule geschenkt, wenn auch sein kompositorisches Schaffen nicht mit dem Zeitgeist konform war. Typisch ist der Ausspruch des Kritikers Hans-Heinz Stuckenschmidt: "Schwarz-Schillings Musik lebt in einer Welt von vorgestern und übermorgen zugleich!"
Eine ebenso begabte wie tragische Erscheinung ist Heinz Schubert (1905-1945). Er zählte als Komponist wie als Dirigent zu den besten im Kreis um Kaminski und hatte den Mut, 1940 eine Trauermusik seines Lehrers zu dirigieren, obwohl für diesen Aufführungsverbot bestand. Trotz dem Schutz des vom Regime geschätzten Wilhelm Furtwängler geriet Schubert zunehmend unter politischen Druck. Auch sein Ende ist von tragischer Sinnlosigkeit. er wurde zum Volkssturm eingezogen und fiel bei der Schlacht im Oderbruch. Nur die Partitur seines in Salzhausen gespielten Werkes "Vom Unendlichen" (siehe Bericht Seite 13) hat sich erhalten, die Stimmen mussten neu geschrieben werden. Was empfindet ein Sohn, wenn die musikalische Welt durch ein meisterlioches Konzert wieder zum Leben kommt? Schwarz-Schilling fand darauf eine beeindruckende Antwort: "Die schönste Form der Kommunikation mit den Toten ist Musik!"

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Eckehard Pistrick, Mitteldeutsche Zeitung, 2. November 2004

Musik vermittelt noch heute eine Botschaft
Konzert in der Marienkirche

Es begann mit einem Gespräch. Unter den Backstein-Bögen der Dessauer Marienkirche war die Rede von Gestapo-Verhören, verbrannten Noten, von Aufführungsverbot und von bewusstem Vergessen. Es war die Rede von den 30er und 40er Jahren und von einer oppositionellen Komponistengeneration, die an diesem Abend der Vergessenheit entrissen werden sollte. Still und heimlich, unbemerkt von vielen Konzertgängern und skandalöserweise auch von den Kulturverantwortlichen, setzte das Orchestre des Régions Européennes unter der Leitung Konrad von Abels mit seinem Konzert in der vergangenen Woche einen verlorenen Mosaikstein zurück in das Panorama der deutschen Musikgeschichte. Und jeder der drei vorgestellten Komponisten, die sich auf die polyphone Tradition Bachs beriefen,verdient ungeteilte Aufmerksamkeit.   Da ist zum einen Reinhard Schwarz-Schilling, dessen 100. Geburtstag sich dieses Jahr jährt. Schon seine "Introduktion und Fuge" machte klar: Diese Musik ist frei von Rührseligkeit und aufgesetztem Pathos, frei auch von "narkotisierendem Romantizismus", sie spricht die Zuhörer trotz ihrer polyphonen Komplexität unmittelbar emotional an.  Dieser Eindruck bestätigte sich in dem im Kriegsjahr 1941 entstandenen eindringlichen Hymnus "Vom Unendlichen" für Sopran und drei Streichquintette des in Dessau geborenen Heinz Schubert. Das Werk, das in seiner kunstvollen Sechzehnstimmigkeit alle Mittel der Polyphonie ausreizt, lebt von seiner durch religiöse Überzeugung gewonnenen ptimistischen Ausdruckskraft in Zeiten der Barbarei. Wie die Musiker, zusammen mit der Sopranistin Susanne Winter, dieses Werk durch beinahe verinnerlichtes Spiel in eine zeitlose Ausdrucksebene hoben, war sensationell. Der folgende "unendliche" Beifall zeigte an, dass Dessau in der ekstatisch-religiösen Musiksprache Schuberts einen ebenbürtigen Counterpart zu Weills bissigen Ironisierungen gefunden hatte.   In dem "Werk für Streichorchester" von Heinrich Kaminski, einem großen dramatischen Wurf, spielte das Orchester schließlich unter dem energisch-impulsiven Dirigat von Abels bis an die Obergrenze der Expressivität. Die Intensität und Detailgetreue mit der Dirigent und Musiker etwa im 1. Satz den Kampf zwischen zwei Tempi ausfochten oder im 2. Satz am Rande der Tonalität balancierten, erzeugte eine elektrisierende Spannung. Bei Kaminski löst sich diese Spannung nicht in der Klangmassenübersteigerung, sondern in der Klarheit und Transparenz einer Fuge oder der Schlichtheit eines Streichquartettsatzes. Dass diese emotionale, bekenntnishafte Musik nicht nur Zeitdokument ist, sondern auch eine Botschaft zu vermitteln vermag, war klar, als der letzte Ton verklang.

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Albrecht Günther, Naumburger Tageblatt, 2.11.04

Von der Klangwerdung ewiger Lebensgestze
Konzert: Werke von Kaminski, Schwarz-Schilling und Schubert

Naumburg. "Ihr Sein ist Klangwerdung ewiger Lebensgestze, Offenbarung 'lebendigen Seins' schlechthin; ihr Mund: die blühende Vielfalt und Fülle eben in ihrer 'Vielstimmigkeit'," beschreibt der Komponist Heinrich Kaminski seine Musik, die als polyphone Musik in den zwanziger bis vierziger Jahren zu den wesentlichen Strömungen deutscher Tonkunst gehörte

Heute ist der 1886 in Tiengen geborene, in der Zeit der Weimarer Republik als Komponist und Dirigent anerkannte Kaminski, der 1938 von den Nationalsozialisten mit Aufführungsverbot belegt wurde und 1946 starb, beinahe vergessen. Besonders zu würdigen sind deshalb die Bemühungen des im französischen Besançon beheimateten europäischen Orchesters junger Musiker Orchestre des Régions Européennes um die Aufführung von Werken Kaminkis und seiner Schüler Reinhard Schwarz-Schilling (1904-1985) und Heinz Schubert (1908-1945). Während einer Konzertreise mit Aufenthalten in Hannover, Berlin und München stellten die Musiker unter Leitung von Konrad von Abel am Freitagabend auch in der Naumburger Marien-Magdalenen-Kirche vier Werke polyphoner Musik vor. Eröffnet wurde das Konzert mit "Introduktion und Fuge für Streichorchester" sowie dem "Largo" aus der "Sinfonia diatonica" von Reinhard Schwarz-Schilling. Es folgte "Vom Unendlichen" von Heinz Schubert mit Sopranistin Susanne Winter. Abschließend erklang Kaminskis viersätziges "Werk für Streichorchester". Zur Einführung in die Musik des Kaminki-Kreises gab es vorher ein Podiumsgespräch mit Christian Schwarz-Schilling. Der frühere Bundes-Postminister vermittelte Einblicke in das musikalische Schaffen seines Vaters.

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Dorothea Rohrbach, Südkurier, 6.11. 2004

Aus dem Schatten geholt
Selten aufgeführte Stücke von Schwarz-Schilling, Schubert und Kaminski in Waldshut zu hören

Nur eine Woche Zeit zum Proben hatten die jungen Musikerinnen und Musiker des Orchestre des Régions Européennes mit ihrem engagierten Leiter Konrad von Abel vor dem ersten Termin ihrer Konzerttournee mit Komponisten von Reinhard Schwarz-Schilling, Heinz Schubert und Heinrich Kaminski. Was das bedeutet, konnten die Besucher der Aufführung in Waldshut spätestens nach dem hochkomplexen "Werk für Streichorchester" von Heinrich Kaminski ermessen.
Darüberhinaus war das Konzert fast ein singuläres Ereignis – die Stücke werden so gut wie nie aufgeführt. Und schließlich, so erläuterte der für die Konzeption mitverantwortliche Musikwissenschaftler Christoph Schlüren in seiner Einführung, sind wohl noch nie Werke von diesen dreien, obwohl sie sehr eng verbunden waren, in einem gemeinsamen Konzert aufgeführt worden. "Harmonie" war das eingende Stichwort – Kaminski als neuzeitlicher Vertreter und Verfechter von klassischer Polyphonie hat den Stil seiner beiden Schüler geprägt, und allen drei ist es deshalb auch eigen, dass sich nach dem zweiten Weltkrieg die Öffentlichkeit für ihr Musik nicht mehr interessierte. Sie sei "lebendig begraben worden", so Schlüren – und den Beweis dieser Lebendigkeit hat das Orchester diesen Abend angetreten. Mit vorbildlicher Konzentration, großem Einführungsvermögen und bewundernswerter Delikatesse gestaltete das Ensemble das anspruchsvolle Programm. Zwei Kompositionen von Schwarz-Schilling, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wurde, bildeten den Auftakt: Eine teils majestätische, teils dynamische "Introduktion und Fuge für Streichorchester", gefolgt von dem "Largo" aus der "Sinfonia diatonica", einem schöngeistigen Werk, dessen durchgängig getragene Grundstimmung unter anderem mit zwei Trompeten überraschend variiert wurde. Von Heinz Schubert stammte die Vertonung des Textes "Vom Unendlichen", kompositorisch in die Form von "Präludium und Fuge für Sopran und drei Streichquintette" gebracht. Das 1941 entstandene Stück ließ die Verzweiflung der Zeit in dissonanten Zwischentönen durchscheinen, die jedoch stets wieder in Harmonie überführt werden – eine große Herausforderung für die Sopranistin Sarah Yorke. Sowohl das großartige "Halleluja" als auch das verinnerlichte "Amen" knüpften deutlich und direkt an barocke Vorbilder an. Schließlich Kaminski: Sein "Werk für Streichorchester", entstanden aus einem Streichquintett (die autorisierte Bearbeitung hatte Reinhard Schwarz-Schilling übernommen)stellte vor allem im ersten Satz mit ungewöhnlich abrupten Tempi-Wechseln die Musiker vor eine schwierige Aufgabe.
Dem großen lyrischen Klang im zweiten Satz folgte ganz überraschend ein wunderbar beschwingter und detailreicher dritter Satz. Eine rhythmisch-strukturierte Fuge bildete den Abschluss dieser Komposition, die insgesamt trotz der Vielfalt in sich geschlossen und spannungsreich ist und die es verdient hätte, in regelmäßiges Repertoire aufgenommen zu werden.

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Dorothea Rohrbach, Südkurier, Waldshut-Tiengen, 6.11.

Mein Vater, der vergessene Komponist

Ein 100. Geburtstag trifft (fast) auf ein Jubiläum, mit dem ebenfalls 100 Jahre gefeiert werden – und heraus kommt ein ungewöhnliches und bereicherndes Konzertprojekt: Am 9. Mai diesen Jahres wäre Reinhard Schwarz-Schilling 100 Jahre alt geworden. Schwarz-Schilling war nicht nur der Vater des ehemaligen Postministers Christian Schwarz-Schilling, sondern auch Musiker und in dieser Eigenschaft Schüler des in Tiengen geborenen Heinrich Kaminski. Die Rotarier können nächstes Jahr 100jähriges Bestehen feiern – und zu diesem Anlass schenkte der Rotary Club Waldshut-Säckingen der Kaminski-Gesellschaft, den Freunden von Kaminskis Musik und nicht zuletzt sich selber ein hochkarätiges Konzert (siehe auch Seite Kultur in der Region). Dieses Ereignis wurde sowohl von Oberbürgermeister Martin Albers als auch vom Vorsitzenden des Rotary-Clubs, Peter Sulser, im Vorfeld des Konzerts gewürdigt. Aufgrund der besonderen Verbundenheit zu Kaminskis Geburtsort und der hier heimischen Kaminski-Gesellschaft war das Konzert in der Stadthalle Waldshut ein besonderer Höhepunkt.
Dem trug die Anwesenheit von Christian Schwarz-Schilling Rechnung, der vor dem Konzert aus dem leben und Schaffen des Vaters besonders während des Nazi-Regimes erzählte. Christian Schwarz-Schilling ist seit ihrer Gründung Mitglied der kaminski-Gesellschaft. Die Idee, den so früh in Vergessenheit geratenen Kaminski mit einer Briefmarke zu ehren, stammt allerdings nicht von ihm. Bereits in den 90er Jahren hatte die Kaminski-Gesellschaft anlässlich von Kaminskis 100. Geburtstag einen Antrag auf eine Briefmarke mit seinem Porträt gestellt – was abgelehnt wurde. Sein Schüler Schwarz-Schilling hingegen ziert seit diesem Jahr ein Postwertzeichen, das pünktlich zu seinem Geburtstag herausgekommen ist. Die Anstrengungen der Kaminski-Gesellschaft sollen die Musik Kaminskis und seiner Schüler wieder zugänglich machen – weshalb die Konzerttournee an Orten stattfand, die den Musikern biografisch verbunden waren.