Klassik mit französischem Schwung
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Mit großer Unterstützung für López Obrador begann das Festival en el Centro Histórico
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"...Begleitet vom flexibel stützenden Berner Symphonie-Orchester
mit der Harfenistin Line Gaudard Tapceanu und dem Konzertmeister
Alexandru Gavrilovici an der Spitze und unter der sicheren Leitung
des kurzfristig eingesprungenen Konrad von Abel (er war lange Schüler
und Assistent des legendären Sergiu Celibidache) konnte der
Berner Geiger Thomas Füri seine immer raffinierter sich entfaltende
Klangfarbenpalette souverän einsetzen und einen Grosserfolg
erringen...
Bruckners Sechste
Natürlich gehört Bruckners Sechste nicht zum festen Repertoire
eines Orchesters, das die Mehrzahl seiner Dienste dem Musiktheater
widmen muss. Umso erstaunlicher war, dass das BSO eine bemerkenswert
qualitätsvolle Deutung zu erbringen vermochte... Wer bedenkt,
dass sich Dirigent und Orchester in sehr kurzer Zeit aneinander
gewöhnen musste, der dankte Korad von Abel und den Berner Sinfonikern
mit herzlicher Zustimmung."
Der Bund, Bern, 18.10.03
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Der Höhenflug eines Streicherensembles
Das "Orchestre des Régions Européennes"
in Lienzingen mit der deutschen Erstaufführung von Liedern Richard Dubugnons
(Foto: Mühlacker Tagblatt)

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Das Beste kam wieder einmal zum Schluss. Was nicht bedeuten soll, dass das "Orchestre des Régions Européennes" unter der Leitung von Konrad von Abel zuvor enttäuscht hätte. Ganz im Gegenteil, hatte das Streicherensemble doch mit Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll KV 546, dem d-Moll- Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy sowie der Deutschen Erstaufführung von Liedern des Schweizer Komponisten Richard Dubognon ein sehr ansprechendes Programm beachtlich gestaltet. Aber mit der Kammersinfonie c-Moll op. 110b von Dimitri Schostakowitsch gelang den zumeist sehr jungen Streichern unter dem mit ausdrucksstarker Körpersprache agierenden Konrad von Abel Außergewöhnliches. Schostakowitschs Kammersinfonie, die Rudolf Barschai nach dem achten Streichquartett mit Einwilligung des Komponisten für Streichorchester umarbeitete, erklang beim "Musikalischen Sommer" in der Frauenkirche Lienzingen vom ersten Takt unter Hochspannung...
Von Abel und seine exzellenten Streicher verliehen diesem erschütternden musikalischen Psychogramm in allen Facetten Nachdruck. Trotz aller wuchtigen Aufschwünge und musikalischer Grimassen der Musik werden beim "Orchestre des Régions Européennes" die Streicherklänge nie hart, bleibt immer ein Rest von Schönheit auch bei den schneidenden Ausbrüchen. Jedes Detail wird minuziös beleuchtet, ohne dabei das Gesamtwerk aus dem Blick zu verlieren. Und dass nach dem Verklingen des letztes Tones die Zuhörer einige Momente brauchten, bis sich der Jubel Bahn brach, steht zudem für die Ausdruckskraft des Ensembles.
Von der hohen Kompetenz der zumeist aus sehr engagierten jungen
französischen Musikern bestehenden "Orchestre des Régions
Européennes", das von der Celibidache Stiftung getragen
wird, hatte man sich zuvor schon überzeugen können. Konrad
von Abel, langjähriger Assistent Sergiu Celibidaches in München,
ist ein Anhänger von intensivster Probenarbeit. Jede Phrase
wird genau ausgearbeitet, in den musikalischen Zusammenhang gestellt,
klangfarblich differenziert. Als Besonderheit mag die Gewichtung
der Streicher gelten, hat das Ensemble doch im Gegensatz beispielsweise
zu den drei in Baden-Württemberg beheimateten international
arrivierten Kammerorchestern eine deutlich stärkere Besetzung
der tiefen Streichinstrumente. Das gibt dem Klang einerseits ein
sehr kraftvolles Fundament, anderseits erklangen so manche Details
ungewohnt deutlich. Davon profitierte beispielsweise Mozarts Adagio
und Fuge in c-Moll KV 546, dessen polyphone Strukturen mustergültig,
wenn auch gelegentlich etwas schwer im Duktus herausgearbeitet wurde...
Als Kontrapunkt zu Mozart und Mendelssohn bot der "Musikalische
Sommer" beim zweiten Gastspiel des "Orchestre des Régions
Européennes" in der Frauenkirche die deutsche Erstaufführung
der "Melodies pour soprano et cordes" nach Gedichten von
Anne-Marin-Salem des jungens Schweizer Komponisten Richard Dubognon
aus Lausanne. Die acht Lieder, die zumeist von Natur- und Kindheitserlebnissen
sprechen, erklingen in der handwerklich exzellenten Vertonung Dubognons
sehr an der französischen Tradition orientiert. Debussy und
seine Nachfolger haben hier Pate gestanden. Der junge Schweizer
versteht ohne Zweifel sein Handwerk, kombiniert die Strei-cherfarben
auf hohem Niveau, ohne aber den Texten eine weitere Bedeutungsebene
geben zu können. Allzu lautmalerisch-schönheitstrunken
klingt das Ganze. Daran kann auch die exemplarische Leistung der
Sopranistin Anne Marchand nichts ändern, die mit betörend-weichem
Timbre und großem Differenzierungs- vermögen sich als
hervorragende Liedinterpretin zeigte.
(Auszüge aus der SZ vom 28.07.2003, Thomas
Weiss)
Das Orchestre des Régions Européennes war
in der Lienzinger Frauenkirche zu hören
Streichorchester musizierte bravourös
Streicherglanz von erlesener Pracht war am Samstagabend in der Frauenkirche
von Lienzingen zu hören. Im Rahmen der Konzertreihe "Musikalischer
Sommer" musizierte dort das Orchestre des Régions Européennes
unter der Leitung von Konrad von Abel.
Zu hören war neben Werken von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy
und Schostakowitsch die deutsche Erstaufführung eines Liederzyklus
des Schweizer Komponisten Richard Dubugnon, die mit viel anerkennendem
Beifall aufgenommen wurde.
Vor Beginn des Konzerts in der nicht voll besetzten Frauenkirche
dankte der Präsident der Association Celibidache, Patrick Lang,
dem künstlerischen Leiter des "Musikalischen Sommers",
Peter Wallinger, für die Einladung zu diesem Konzert. Die Celibidache-Gesellschaft
mit Sitz in der Nähe der französischen Stadt Besançon
widmet sich der Pflege des musikalischen Erbes des großen,
unvergessenen Dirigenten Sergiu Celibidache, der von 1912 bis 1996
lebte und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für einige
Jahre Chef der Berliner Philharmoniker war und später die gleiche
Funktion bis zu seinem Tode bei den Münchner Philharmonikern
inne hatte. Auch Peter Wallinger besuchte wie viele andere anerkannte
Dirigenten Meisterkurse bei Celibidache.
Eingeleitet wurde das Konzert mit Adagio und Fuge für Streicher
in c-moll, KV 546, von Wolfgang Amadeus Mozart. Das von ungemein
ernstem Charakter geprägte Werk führten die jungen Musikerinnen
und Musiker, die überwiegend in Frankreich geboren wurden,
in äußerst verhaltenem Tempo und mit einer dichten Streicherpracht,
wie sie nur höchst selten zu hören ist, aus. Beeindruckend
war auch die ständig sich steigernde Ausdrucksfülle, die
Konrad von Abel, selbst auch einstiger Schüler von Sergiu Celibidache,
seinem Orchester zu entlocken vermochte.
Zwischen den Jahren 1993 und 1995 entstanden die Lieder für
Sopran und Streichorchester, Opus acht, mit den lyrischen Texten
von Anne Marin-Salem. Darin lässt die Dichterin Kindheitserinnerungen
lebendig werden. Der Komponist Richard Dubugnon wurde 1968 in Lausanne
geboren. Die Melodik ist anspruchsvoll und verlangte von der Solistin
Anne Marchand außerordentlich geschmeidigen und differenzierten
Einsatz ihrer hellen, warmen Stimme. Die Charaktere der acht Lieder
sind unterschiedlich. Farbig und kontrastreich ist die Instrumentierung
des begleitenden Streichorchesters, das unter der Leitung Konrad
von Abels auch die eigenständigen Passagen nuancenreich und
in silbrigem Streicherklang gestaltete. Insgesamt lässt sich
die Komposition von Richard Dubugnon als sensibel und klangschön
angelegt bezeichnen, in der Stimmungen und Empfindungen der Texte
artikuliert werden. Die Konzertbesucher spendeten dem Komponisten
lebhaften und anerkennenenden Applaus.
Im Alter von 13 Jahren komponierte Felix Mendelssohn-Bartholdy ein
Violinkonzert in d-moll. Das dreisätzige Werk bot der Solistin
Sophie Barthélemy, die auch Konzertmeisterin des Orchesters
ist, Gelegenheit, ein hohes Maß an Virtuosität hören
zu lassen.
Die reifste Leistung des Abends war jedoch die Aufführung der
Kammersinfonie für Streichorchester in c-moll, Opus 110 b,
von Dimitri Schostakowitsch. Im Jahre 1960 sah der Komponist Bilder
von der Trümmerlandschaft der von alliierten Flugzeugverbänden
bombardierten Stadt Dresden und ließ sich davon zu einem Streichquartett
zum "Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges" inspirieren.
Rudolf Barschai brachte eine von Schostakowitsch gebilligte Orchesterfassung
heraus. Die düstere, schmerzerfüllte, elegische Stimmung
desWerks konnten Konrad von Abel und seine Orchestermitglieder in
erschütternder Ausdrucksdichte verdeutlichen.
Dramatische Steigerungen, die gespenstische Heiterkeit und Bewegtheit
des Allegrettos, auch die gelegentlich aufblitzenden Hoffnungsschimmer
wurden mitreißend und ergreifend gestaltet. Minutenlang hielt
danach der Beifall in der Lienzinger Frauenkirche an.
Rudolf Werner
Mühlacker Tagblatt und Vaihinger Kreiszeitung
- 29.07.2003
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Von Mozart zu einer Erstaufführung
Ein geändertes Programm überraschte die Musikfreunde in
der Frauenkirche
BIETIGHEIM-BISSINGEN / LIENZIGEN. Der laut Programmankündigung
"aufregende Erfolgskurs" des im Raum Besançon beheimateten
Orchestre des Régions Européennes hatte Peter Wallinger,
den künstlerischen Leiter der Konzerte in Lienzingen, bewogen,
dieses Orchester erneut zu einem Konzert einzuladen. Als Programm
war neben bekannten russischen Werken auch die deutsche Erstaufführung
eines Liederzyklus des Lausanner Komponisten Richard Dubugnon angekündigt
worden.
Da das Orchester jedoch derzeit auch bei den Feierlichkeiten zur
deutsch-französischen Freundschaft mitwirkt, hatte man von
politischer Seite aus "mehr deutsche Musik" im Programm
der Tournee gewünscht. Also hörte man in Lienzingen neben
den Liedern Dubugnons und der Kammersinfonie op. 110 b des Russen
Schostakowitsch jetzt nicht Tschaikowsky, sondern "Adagio und
Fuge für Streicher c-moll" von Mozart und das "Konzert
für Violine und Streichorchester d-moll" von Felix Mendelssohn-Bartholdy…
Dirigent Konrad von Abel, in Stuttgart geboren, vom legendären
Orchestererzieher Sergiu Celibidache stark beeindruckt, später
in München als dessen Assistent arbeitend und heute Leiter
der Akademie, die "Celis" Geist und Erbe pflegt, konnte
das einleitende Mozart-Werk trotz intensiven Dirigierens auch nicht
aus seiner Art erlösen, doch stürzte er sich umso intensiver
in die deutsche Erstaufführung der Lieder von Dubugnon. Sie
wurden von der Sopranistin Anne Marchand in französischer Sprache
tonschön und variabel gesungen.
Die Prosatexte von Anne Marin-Salem konnte man im Programmheft in
deutscher Sprache mitlesen und das Verschmelzen der zeitgenössisch
geformten, doch stets textnahen Musik des Komponisten, der in Lienzingen
anwesend war, mit den Inhalten der Worte und Sätze verfolgen:
Kindheitserinnerungen, Träume und Landschaftsimpressionen waren
glaubhaft vertont worden. Man "hörte" den steilen
Weg und die Tuba samt Fanfaren des Großvaters, dann die Nebel
und das Trippeln der Schwestern (Pizzicati, Orchester-Nachschläge)
und anderes mehr.
Konzertmeisterin Sophie Barthélemy (aus Besançon)
spielte Mendelssohns "kleines" Violinkonzert technisch
gut, im musikalischen Ausdruck jedoch etwas zu distanziert. Erst
im dritten Satz löste sie sich aus ihrer ungewohnt "schweren"
Darstellung der Solopassagen in den beiden ersten Teilen und gelangte
zum "leichten" Spiel mit gelöstem Bogen und einer
brillanten Kadenz, sodass Mendelssohn als einer der hellsten deutschen
Komponisten der Romantik (und damals seiner Jugend) erkennbar wurde.
Musikalischer Höhepunkt des Konzertes war die "Kammersinfonie
c-moll" (op. 110 b) von Schostakowitsch, die Rudolf Barschai
aus dem Streichquartett Nr. 8 des Komponisten ("Erinnerung
an die Opfer des Faschismus und des Krieges") entwickelt hat.
Die fünf Sätze, drei tiefsinnige "Largo"- und
zwei erschütternde "Allegro"-Teile, wurden vom Orchester
in allen Soli-Passagen (Violine, Viola, Cello) und in den grandios
gespielten Tutti fabelhaft hörplastisch und gefühlsmäßig
stark beeindruckend dargeboten. Konrad von Abel bewirkte mit dem
Vortrag dieses Werkes, dass das "Lienzinger Klangphänomen"
der Frauenkirche zum Abschluss des Konzertes noch voll zum Tragen
kam.
Helmut Müller
Bietigheimer Zeitung - 29.07.03
"Zum
Finale des ersten Celibidache Festivals "Verschattetes
Finale des 1. Celibidache-Festivals: Höhepunkt und Abschluss
sollte Bruckners Vierte, die "Romantische" mit Zubin Metha
im Prinzregententheater werden. Nach dem plötzlichen Tod seines
Vaters flog der aber in die USA und überließ Konrad von
Abel die Münchner Philharmoniker.Der langjährige Assistent
Celibidaches beschwor kongenial die alten Geister: Sparsamer Schlag,
mehr Ökonomie als Überschwang bestimmen sein Dirigieren.
Viele Einsätze überließ er dem kundigen Orchester,
das in seiner Bruckner-Kompetenz (wie schon kürzlich in der
Siebten mit Metha) nie fehlgeht. In den filigranen Übergängen
und der Piano-Mystik von Celi-Kantilenen und Blechbläser-Verklärung
gelang es ihm aber, etwas vom Atem
des Maestro über das Orchester kommen zu lassen. Ein Beifallssturm,
der nie geendet hätte, dankte. Wäre nicht noch ein Film
eingeblendet worden..."
Süddeutsche Zeitung - 23. Oktober
2002, Klaus P. Richter
„
Zu
einem denkbar späten Zeitpunkt, nämlich buchstäblich
von heute auf morgen, sprang er ein. Der Tod seines Vaters hatte
Zubin Mehta gehindert, das Bruckner-Programm der Münchner Philharmoniker
im Prinzregententheater zu dirigieren. Doch das ist nur einer der
Umstände, unter denen Konrad von Abel kurzfristig die Leitung
der Philharmoniker übernahm. Denn das Konzert mit Bruckners
4. Symphonie fand statt zugunsten der Sergiu-Celibidache-Stiftung.
Celibidache jedoch, der große langjährige Chef des Orchesters,
war nicht nur Probenfanatiker, sondern auch der Lehrer Konrad von
Abels.
Der Erwartungsdruck war also enorm, und der junge, ehrgeizige und
an Celibidaches Persönlichkeit geschulte von Abel hat ihn souverän
gemeistert. Noch dazu auswendig (!), ohne jegliche Unsicherheit,
schultert er den Koloss. Man sollte sich nun, nicht nur angesichts
der provisorischen Situation, davor hüten, zu spekulieren,
was nun Celibidaches Lehrerleistung ist und was wohl in seinem Sinne
geschieht. Das Resultat selbst ist es, das von Abel reüssieren
läßt. Ab dem berühmten Streichertremolo, das die
Philharmoniker immer ein bißchen unirdischer und leuchtender
hinbekommen, wird der Wille deutlich, der Aufführung einen
eigenen Stempel aufzudrücken. Wichtig scheint von Abel zunächst,
die Großform ruhig zu entwickeln, Steigerungen, gerade in
den Ecksätzen, schwingen wellenartig aus, sie sind aber scharf
von den übrigen Blöcken geschieden.
Damit ist die Satzarchitektur gleichsam strebenartig verstärkt,
weniger aus einem Grund-gedanken entwickelt. Von Abel kann sich,
solchermaßen organisierend, besonders dem Einzelmoment zuwenden.
Und siehe da, gleichsam spontan entdeckt sich da ein Orchester in
einer Symphonie. Besonders die engagierten Holzbläser gewinnen
gegenüber dem robusten Streicherkörper an Profil...
Vielleicht sind die Zeiten, als man noch ein einziges Einspringkonzert
als endgültiges Karrieresprungbrett nutzen konnte, vorbei.
Konrad von Abel verdiente nun, mit den Phiharmonikern ein eigenes
Programm zu erarbeiten.“
Landshuter Allgemeine, 23.Oktober 2002,
Michael B. Weiß
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"LIENZINGEN.
- Ein unbeschwert heiteres und unterhaltsames Sonntagskonzert war
dies nicht. Stattdessen offerierte das Orchestre de l'Académie
de Montbozon aus dem französischen Jura bei der vorletzten
Matinee des "Musikalischen Sommers" nachhaltig wirksame
Streichorchestermusik von ganz besonderer Qualität. Beispielsweise
eine mitreißende Interpretation von Béla Bartóks
Divertimento aus dem Jahre 1939, dessen drei Sätze in der Lienzinger
Frauenkirche wie aus einem erratischen Block herausgemeißelt
präsentiert wurden - scharfkantig mit gleißendem Schliff,
exakt modelliert in seinen lebhaften rhythmischen Strukturen und
burlesk volkstümlichen Melodiepassagen, charaktervoll in den
schrundigen solistischen Skalen, den wilden Abbrüchen und Neueinsätzen.
Nicht nur eine kleine Sensation bot die deutsche Erstaufführung
der Sinfonietta für Streichorchester, die der 1961 geborene
französische Tonsetzer Nicolas Bacri erst vor gut einem Jahr
geschrieben und als op. 72 uraufgeführt hat. Sensationell war
nicht nur die persönliche Anwesenheit des namhaften Komponisten
in der Frauenkirche, sondern das Werk selbst. Nach der zwischen
zartem Saitengeflüster und Klangfülle dramatisch anschwellenden
Ouverture setzte die Méditation samt einem Adagio quasi passacaglia
mit samtig schimmernder Violinstimme ein, eine zweite folgte satt
und getragen, bis die schwebenden Klangflächen von voluminös
kulminierenden Bässen untermalt und massiv abgestützt
wurden. Der letzte Satz, die Introduction et Sonatine d'après
un thème de Marin Marais, erfreute beim Zuhören mit
flirrendem Klangschmuck und einem barock wuchtigen Abschluss.
Das erstmals in Deutschland auftretende, vor vier Jahren gegründete
Orchester steht unter der musikalischen Leitung des 1958 in Stuttgart
geborenen Dirigenten Konrad von Abel. Dass der interessante Orchesterleiter
ein Schüler des legendären Sergiu Celebidache ist, zeigte
sich nicht zuletzt mit den beiden Stücken, die vor der Pause
gespielt wurden. In episch breit und lastend ausgekosteten Tempi
konnten sich Johann Sebastian Bachs "Ricercar a sei voci"
aus dem "Musikalischen Opfer" und Felix Weingartners Orchesterbearbeitung
der "Großen Fuge in B-dur für Streichquartett"
von Ludwig van Beethoven gleichsam zeitlupenhaft und unerhört
transparent entfalten."
Pforzheimer Zeitung - 9. September 2002
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Fotos oben: Münchner Philharmoniker, Konrad von Abel, 20.10.2002
München
Fotos unten: Orchestre de Régions Européennes, Konrad
von Abel und Nicolas Bacri,
Konzert am 18. Oktober 2002 im Prinzregententheater München.
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