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Konrad von Abel – Concert Reviews

Klassik mit französischem Schwung
Das Orchestre des Régions des Européennes ist für Überraschungen gut – begeisterndes Konzert

konrad_von_abelAllzu häufig ist das nicht, dass ein komplettes Symphonieorchester in Pfreimd ein Konzert gibt und für sein fulminantes Musizieren noch nicht einmal ein Honorar verlangt. Eine gute Oberpfälzer Aktion, dem Orchester das dringend benötigte Probenquartier anzubieten. Ihre Konzertdarbietung war sehens- und hörenswert.

Ein Augenschmaus das Engagement der jungen Musikerinnen und Musiker: beim konzentrierten Spiel! Schon das "Concert pour petit orchestre" op. 34 von Albert Roussel erwies exakten Zusammenklang sowohl der Streicher als auch der ablösenden Bläser selbst in schnellen Figurationen. Im langsamen Satz konnten die Musiker die Spannung auch bei getragenen Melodienbögen halten. So sichtbar die Konzentration, so aber die Töne – im tänzerischen Finale ebenso wie in den vorangegangenen Sätzen.

Das "Siegfried-Idyll" von Richard Wagner folgte. Einige Themen aus "Siegfried" sind vom Komponisten zu einer stimmungsvollen Fantasie zusammengeführt worden, deren beruhigender Charakter zu Recht als Idylle bezeichnet werden kann. Konrad von Abel verweigert sich auch in den musikalischen Steigerungen konsequent einem unruhig beschleunigenden Tempo, das den angesagten Charakter des Musikstückes verfremdet hätte.

Nach der Pause die 2. Symphonie D-Dur op. 36 von Ludwig van Beethoven. Schon der schwerblütigen Einleitung tat der französische Schwung, mit der sie musiziert wurde, sehr gut. Die Gestaltung des schnellen Satzteiles war erst wegen der frischen Musizierweise zu loben, dann wegen des gewählten Tempos, das etliche, sonst kaum hörbare Feinheiten entdeckte. Darüberhinaus zeigte das Hervorheben mancher Mittelstimme überraschende Klangbilder außerhalb des gewohnten Klischees. Die relativ kleine Besetzung bewirkte schließlich eine Durchsichtigkeit (das Hauptthema des Satzes wurde von drei Cellis vorgetragen!), die bei großen Orchestern zuweilen verloren geht. Ebenso zeigte sich, dass es im Fortissimo nicht auf die pure Zahl der Spieler, sondern auf die Intensität des Spiels ankommt. Das berühmte Larghetto erlangte in solch einem Spiel einen ganz besonderen Reiz: Es klebte nicht an Bedeutungsschwere fest, sondern wuchs in dem etwas zügigerem Tempo in eine selten zu hörende Dramatik hinein, die vom Orchester bewußt intensiv gestaltet wurde. Eine solch innovative Aufführung von einem wenig bekannten Orchester nicht in einem der großen Musikzentren zu hören – das war nun wirklich nicht zu erwarten gewesen.

Das luftige Scherzo setzte diesen Eindruck fort: Die im Forte zu spielenden punktierten Halben waren bereit, die dazwischen zu spielenden Viertel aber locker und leicht vorzutragen. In einem solchen Kontrast wirkte der Satz denn aber eher freundlich (vor allem im Trio), als schicksalsschwer, woran man bei Beethoven allzu gerne denkt.

Das Finale wurde mustergültig in einem gottlob nicht zu schnellen Tempo vorgetragen. Dafür bekamen die Zuhörer all die Feinheiten des musikalischen Einfallsreichtums von Beethoven zu hören, die bei mancher sonst üblichen Musizierweise im Geschwindigkeitsrausch untergehen.

Der berechtigt große Beifall könnte vielleicht die Musiker und ihren famosen Dirigenten dazu bewegen, wieder einmal in der Oberpfalz vorbeizuschauen.
DER NEUE TAG, Reinhold Tietz, 3. März 2005

 

 

Mit großer Unterstützung für López Obrador begann das Festival en el Centro Histórico
Brillantes Eröffnungskonzert des Orchestre des Régions Européennes in Bellas Artes

(...) Nach dem lautstarken Beifall zur Unterstützung des Politikers, der legitim gewählt wurde, um Oberhaupt der größten Stadt der Welt zu sein, spielte das junge Besuchsorchester mit hohem Niveau an Interpretationsqualität Werke des Franzosen Albert Roussel (1869-
1937) sowie der Deutschen Richard Wagner (1813-1883) und Ludwig van Beethoven (1770- 1827).
(...) Danach verlief das Konzert ruhig, mit einem vorzüglichen, aus jungen europäischen Musikern bestehenden Orchester, die mit Meisterschaft und Bewusstheit das ausgesuchte Kammermusikrepertoire beherrschen. Am Ende dirigierte der deutsche Dirigent Konrad von Abel als Zugabe ein Stück des Mexikaners Samuel Maynez, ein rhapsodisches kleines und
leichtes Werk (...).
Herausragend war zuvor, während des eigentlichen Konzertprogramms, die exzellente Ausführung des zweiten Stücks im Programm. Das Siegfried-Idyll hat Wagner geschrieben, als sein Sohn Siegfried auf die Welt kam, und seine Uraufführung, wie nach Johann Arthur
Brennan im Programmheft passend zitiert ist, fand im Treppenhaus der Wagnerschen Residenz unter des Komponisten eigener Leitung statt, während Cosima aus ihrem Schlafzimmer mit ihrem kleinen Sohn im Arm zuhörte. Die prächtige Darbietung der jungen Europäer diente auch als Vorspiel für die Erstaufführung der vollständigen Oper Siegfried in Mexico, die am folgenden Abend im
selben Rahmen des Palácio de Bellas Artes als ein weiteres transzendentales Kapitel in der mexikanischen Kultur stattfand.
Pablo Espinosa, La Jornada, Mexico, 18. April 2005

Eröffungskonzert des Festival de México en el Centro Histórico
Ohne große Stars und Feuerwerk, mit Feinheit und hoffnungsvollen Tönen, erleuchtete das Orchestre des Régions Européennes die Eröffnung des 21. Festival de México en el Centro Histórico

MEXICO STADT. – Während des Samstagabends blieb das tägliche Leben vor dem Palacio de Bellas Artes außen vor. Draußen war eine Gruppe von Trommlern zwar nicht dafür verantwortlich, den Regen mitgebracht zu haben, wohl aber dafür, mit ihren Schlaginstrumenten eine Arhythmie zu schaffen, die sich für Urmusik auszugeben suchte. Drinnen feierte das Orchestre des Régions Européennes eine lichtvolle Eröffnung des 21. Festival de México en el Centro Histórico. (...)
Zum Glück sind die Ansprachen kurz. José Areán, der Direktor des Festivals, gibt bekannt, dass dieses Treffen in sein drittes Jahrzehnt eintritt und dass, dank der einfachen Formel, "dem größtmöglichen Publikum das Beste der Künste anzubieten, dem Festival Stabilität und Wachstum zuteil wurde". (...)
Land der Überraschungen
Für denjenigen, der noch Überraschungen im Leben sucht, ist das Anhören des Orchestre des Régions Européennes unter der Leitung von Konrad von Abel eine solche. Wenn uns in diesen politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten etwas nottut, so ist es geistige Nahrung, die als erneuernde Kraft dient, und dies bot das Ensemble.
Wir sprachen von Überraschungen, und eine weitere ist es, dass die Organisatoren ein Orchester aussuchten, welches die Tradition Sergiu Celibidaches (eines der größten Dirigenten des 20. Jahrhunderts), die von Abel fortführt, verbindet mit der Jugend seiner Mitglieder. Kaum wird es 1999 gegründet, entfaltet es in der Musikszene den Reichtum einer Gemeinschaft von Musikern, die in jeder
Hinsicht ihre Arbeit lieben.
Wenn das Festival auf einen publikums-erzieherischen Aspekt abgezielt hat, ist das Konzert des Orchestre des Régions Européennes ein Treffer ins Schwarze. Zu dieser Gelegenheit weist das Programm keinen einzigen Kassenschlager auf, und man beginnt mit dem Concerto pour petit orchestre op. 34 von Albert Roussel. (...)
Wenn während dieses Festivals in Sachen Oper Siegfried, der dritte Teil von Wagners Ring des Nibelungen, zur Aufführung kommt, so bietet das Orchestre des Régions Européennes das Siegfried- Idyll, ein liebevolles Werk, das der Komponist für seinen gleichnamigen Sohn schrieb. Brennan berichtet, dass dieses Werk, das nichts mit der Oper zu tun hat, in einer bewegenden Situation uraufgeführt wurde. Im Auftrage des Komponisten spielte eine Gruppe von Musikern das Stück am Weihnachtsmorgen 1869, während seine Frau, mit dem Kinde im Arm, sich von der Geburt erholte.
Es mag stimmen oder nicht – Feministinnen mögen für oder gegen diese Idee sprechen – aber es ist wahrscheinlich, dass der hohe Anteil an Frauen im Orchester diesem ein ganz eigenes Gepräge verleiht, vor allem während der zerbrechlichen Passagen. (...)
Die Zugabe [Jarabe von Samuel Vaynez Vidal] wird dem Zauber nicht gerecht, den das Orchestre des Régions Européennes den Hörern vermittelte mit seiner vortrefflichen Einleitung zu einem Festival, das noch viele Überraschungen bereit hält.
Von Xavier Quirarte, Milenio Diario, Mexico 18. April 2005

 

 

Konrad von Abel springt bei dem Berner Symphonie-Orchester für Dmitrij Kitajenko ein
Werke von Bruch und Bruckner im Kultur-Casino Bern

"...Begleitet vom flexibel stützenden Berner Symphonie-Orchester mit der Harfenistin Line Gaudard Tapceanu und dem Konzertmeister Alexandru Gavrilovici an der Spitze und unter der sicheren Leitung des kurzfristig eingesprungenen Konrad von Abel (er war lange Schüler und Assistent des legendären Sergiu Celibidache) konnte der Berner Geiger Thomas Füri seine immer raffinierter sich entfaltende Klangfarbenpalette souverän einsetzen und einen Grosserfolg erringen...
Bruckners Sechste
Natürlich gehört Bruckners Sechste nicht zum festen Repertoire eines Orchesters, das die Mehrzahl seiner Dienste dem Musiktheater widmen muss. Umso erstaunlicher war, dass das BSO eine bemerkenswert qualitätsvolle Deutung zu erbringen vermochte... Wer bedenkt, dass sich Dirigent und Orchester in sehr kurzer Zeit aneinander gewöhnen musste, der dankte Korad von Abel und den Berner Sinfonikern mit herzlicher Zustimmung."
Der Bund, Bern, 18.10.03



Der Höhenflug eines Streicherensembles
Das "Orchestre des Régions Européennes" in Lienzingen mit der deutschen Erstaufführung von Liedern Richard Dubugnons (Foto: Mühlacker Tagblatt)

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Das Beste kam wieder einmal zum Schluss. Was nicht bedeuten soll, dass das "Orchestre des Régions Européennes" unter der Leitung von Konrad von Abel zuvor enttäuscht hätte. Ganz im Gegenteil, hatte das Streicherensemble doch mit Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll KV 546, dem d-Moll- Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy sowie der Deutschen Erstaufführung von Liedern des Schweizer Komponisten Richard Dubognon ein sehr ansprechendes Programm beachtlich gestaltet. Aber mit der Kammersinfonie c-Moll op. 110b von Dimitri Schostakowitsch gelang den zumeist sehr jungen Streichern unter dem mit ausdrucksstarker Körpersprache agierenden Konrad von Abel Außergewöhnliches. Schostakowitschs Kammersinfonie, die Rudolf Barschai nach dem achten Streichquartett mit Einwilligung des Komponisten für Streichorchester umarbeitete, erklang beim "Musikalischen Sommer" in der Frauenkirche Lienzingen vom ersten Takt unter Hochspannung...

Von Abel und seine exzellenten Streicher verliehen diesem erschütternden musikalischen Psychogramm in allen Facetten Nachdruck. Trotz aller wuchtigen Aufschwünge und musikalischer Grimassen der Musik werden beim "Orchestre des Régions Européennes" die Streicherklänge nie hart, bleibt immer ein Rest von Schönheit auch bei den schneidenden Ausbrüchen. Jedes Detail wird minuziös beleuchtet, ohne dabei das Gesamtwerk aus dem Blick zu verlieren. Und dass nach dem Verklingen des letztes Tones die Zuhörer einige Momente brauchten, bis sich der Jubel Bahn brach, steht zudem für die Ausdruckskraft des Ensembles.

Von der hohen Kompetenz der zumeist aus sehr engagierten jungen französischen Musikern bestehenden "Orchestre des Régions Européennes", das von der Celibidache Stiftung getragen wird, hatte man sich zuvor schon überzeugen können. Konrad von Abel, langjähriger Assistent Sergiu Celibidaches in München, ist ein Anhänger von intensivster Probenarbeit. Jede Phrase wird genau ausgearbeitet, in den musikalischen Zusammenhang gestellt, klangfarblich differenziert. Als Besonderheit mag die Gewichtung der Streicher gelten, hat das Ensemble doch im Gegensatz beispielsweise zu den drei in Baden-Württemberg beheimateten international arrivierten Kammerorchestern eine deutlich stärkere Besetzung der tiefen Streichinstrumente. Das gibt dem Klang einerseits ein sehr kraftvolles Fundament, anderseits erklangen so manche Details ungewohnt deutlich. Davon profitierte beispielsweise Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll KV 546, dessen polyphone Strukturen mustergültig, wenn auch gelegentlich etwas schwer im Duktus herausgearbeitet wurde... Als Kontrapunkt zu Mozart und Mendelssohn bot der "Musikalische Sommer" beim zweiten Gastspiel des "Orchestre des Régions Européennes" in der Frauenkirche die deutsche Erstaufführung der "Melodies pour soprano et cordes" nach Gedichten von Anne-Marin-Salem des jungens Schweizer Komponisten Richard Dubognon aus Lausanne. Die acht Lieder, die zumeist von Natur- und Kindheitserlebnissen sprechen, erklingen in der handwerklich exzellenten Vertonung Dubognons sehr an der französischen Tradition orientiert. Debussy und seine Nachfolger haben hier Pate gestanden. Der junge Schweizer versteht ohne Zweifel sein Handwerk, kombiniert die Strei-cherfarben auf hohem Niveau, ohne aber den Texten eine weitere Bedeutungsebene geben zu können. Allzu lautmalerisch-schönheitstrunken klingt das Ganze. Daran kann auch die exemplarische Leistung der Sopranistin Anne Marchand nichts ändern, die mit betörend-weichem Timbre und großem Differenzierungs- vermögen sich als hervorragende Liedinterpretin zeigte.
(Auszüge aus der SZ vom 28.07.2003, Thomas Weiss)

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Das Orchestre des Régions Européennes war in der Lienzinger Frauenkirche zu hören
Streichorchester musizierte bravourös

Streicherglanz von erlesener Pracht war am Samstagabend in der Frauenkirche von Lienzingen zu hören. Im Rahmen der Konzertreihe "Musikalischer Sommer" musizierte dort das Orchestre des Régions Européennes unter der Leitung von Konrad von Abel.
Zu hören war neben Werken von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy und Schostakowitsch die deutsche Erstaufführung eines Liederzyklus des Schweizer Komponisten Richard Dubugnon, die mit viel anerkennendem Beifall aufgenommen wurde.
Vor Beginn des Konzerts in der nicht voll besetzten Frauenkirche dankte der Präsident der Association Celibidache, Patrick Lang, dem künstlerischen Leiter des "Musikalischen Sommers", Peter Wallinger, für die Einladung zu diesem Konzert. Die Celibidache-Gesellschaft mit Sitz in der Nähe der französischen Stadt Besançon widmet sich der Pflege des musikalischen Erbes des großen, unvergessenen Dirigenten Sergiu Celibidache, der von 1912 bis 1996 lebte und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für einige Jahre Chef der Berliner Philharmoniker war und später die gleiche Funktion bis zu seinem Tode bei den Münchner Philharmonikern inne hatte. Auch Peter Wallinger besuchte wie viele andere anerkannte Dirigenten Meisterkurse bei Celibidache.
Eingeleitet wurde das Konzert mit Adagio und Fuge für Streicher in c-moll, KV 546, von Wolfgang Amadeus Mozart. Das von ungemein ernstem Charakter geprägte Werk führten die jungen Musikerinnen und Musiker, die überwiegend in Frankreich geboren wurden, in äußerst verhaltenem Tempo und mit einer dichten Streicherpracht, wie sie nur höchst selten zu hören ist, aus. Beeindruckend war auch die ständig sich steigernde Ausdrucksfülle, die Konrad von Abel, selbst auch einstiger Schüler von Sergiu Celibidache, seinem Orchester zu entlocken vermochte.
Zwischen den Jahren 1993 und 1995 entstanden die Lieder für Sopran und Streichorchester, Opus acht, mit den lyrischen Texten von Anne Marin-Salem. Darin lässt die Dichterin Kindheitserinnerungen lebendig werden. Der Komponist Richard Dubugnon wurde 1968 in Lausanne geboren. Die Melodik ist anspruchsvoll und verlangte von der Solistin Anne Marchand außerordentlich geschmeidigen und differenzierten Einsatz ihrer hellen, warmen Stimme. Die Charaktere der acht Lieder sind unterschiedlich. Farbig und kontrastreich ist die Instrumentierung des begleitenden Streichorchesters, das unter der Leitung Konrad von Abels auch die eigenständigen Passagen nuancenreich und in silbrigem Streicherklang gestaltete. Insgesamt lässt sich die Komposition von Richard Dubugnon als sensibel und klangschön angelegt bezeichnen, in der Stimmungen und Empfindungen der Texte artikuliert werden. Die Konzertbesucher spendeten dem Komponisten lebhaften und anerkennenenden Applaus.
Im Alter von 13 Jahren komponierte Felix Mendelssohn-Bartholdy ein Violinkonzert in d-moll. Das dreisätzige Werk bot der Solistin Sophie Barthélemy, die auch Konzertmeisterin des Orchesters ist, Gelegenheit, ein hohes Maß an Virtuosität hören zu lassen.
Die reifste Leistung des Abends war jedoch die Aufführung der Kammersinfonie für Streichorchester in c-moll, Opus 110 b, von Dimitri Schostakowitsch. Im Jahre 1960 sah der Komponist Bilder von der Trümmerlandschaft der von alliierten Flugzeugverbänden bombardierten Stadt Dresden und ließ sich davon zu einem Streichquartett zum "Gedenken an die Opfer des Faschismus und des Krieges" inspirieren.
Rudolf Barschai brachte eine von Schostakowitsch gebilligte Orchesterfassung heraus. Die düstere, schmerzerfüllte, elegische Stimmung desWerks konnten Konrad von Abel und seine Orchestermitglieder in erschütternder Ausdrucksdichte verdeutlichen.
Dramatische Steigerungen, die gespenstische Heiterkeit und Bewegtheit des Allegrettos, auch die gelegentlich aufblitzenden Hoffnungsschimmer wurden mitreißend und ergreifend gestaltet. Minutenlang hielt danach der Beifall in der Lienzinger Frauenkirche an.
Rudolf Werner
Mühlacker Tagblatt und Vaihinger Kreiszeitung - 29.07.2003

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Von Mozart zu einer Erstaufführung
Ein geändertes Programm überraschte die Musikfreunde in der Frauenkirche

BIETIGHEIM-BISSINGEN / LIENZIGEN. Der laut Programmankündigung "aufregende Erfolgskurs" des im Raum Besançon beheimateten Orchestre des Régions Européennes hatte Peter Wallinger, den künstlerischen Leiter der Konzerte in Lienzingen, bewogen, dieses Orchester erneut zu einem Konzert einzuladen. Als Programm war neben bekannten russischen Werken auch die deutsche Erstaufführung eines Liederzyklus des Lausanner Komponisten Richard Dubugnon angekündigt worden.
Da das Orchester jedoch derzeit auch bei den Feierlichkeiten zur deutsch-französischen Freundschaft mitwirkt, hatte man von politischer Seite aus "mehr deutsche Musik" im Programm der Tournee gewünscht. Also hörte man in Lienzingen neben den Liedern Dubugnons und der Kammersinfonie op. 110 b des Russen Schostakowitsch jetzt nicht Tschaikowsky, sondern "Adagio und Fuge für Streicher c-moll" von Mozart und das "Konzert für Violine und Streichorchester d-moll" von Felix Mendelssohn-Bartholdy…
Dirigent Konrad von Abel, in Stuttgart geboren, vom legendären Orchestererzieher Sergiu Celibidache stark beeindruckt, später in München als dessen Assistent arbeitend und heute Leiter der Akademie, die "Celis" Geist und Erbe pflegt, konnte das einleitende Mozart-Werk trotz intensiven Dirigierens auch nicht aus seiner Art erlösen, doch stürzte er sich umso intensiver in die deutsche Erstaufführung der Lieder von Dubugnon. Sie wurden von der Sopranistin Anne Marchand in französischer Sprache tonschön und variabel gesungen.
Die Prosatexte von Anne Marin-Salem konnte man im Programmheft in deutscher Sprache mitlesen und das Verschmelzen der zeitgenössisch geformten, doch stets textnahen Musik des Komponisten, der in Lienzingen anwesend war, mit den Inhalten der Worte und Sätze verfolgen: Kindheitserinnerungen, Träume und Landschaftsimpressionen waren glaubhaft vertont worden. Man "hörte" den steilen Weg und die Tuba samt Fanfaren des Großvaters, dann die Nebel und das Trippeln der Schwestern (Pizzicati, Orchester-Nachschläge) und anderes mehr.
Konzertmeisterin Sophie Barthélemy (aus Besançon) spielte Mendelssohns "kleines" Violinkonzert technisch gut, im musikalischen Ausdruck jedoch etwas zu distanziert. Erst im dritten Satz löste sie sich aus ihrer ungewohnt "schweren" Darstellung der Solopassagen in den beiden ersten Teilen und gelangte zum "leichten" Spiel mit gelöstem Bogen und einer brillanten Kadenz, sodass Mendelssohn als einer der hellsten deutschen Komponisten der Romantik (und damals seiner Jugend) erkennbar wurde.
Musikalischer Höhepunkt des Konzertes war die "Kammersinfonie c-moll" (op. 110 b) von Schostakowitsch, die Rudolf Barschai aus dem Streichquartett Nr. 8 des Komponisten ("Erinnerung an die Opfer des Faschismus und des Krieges") entwickelt hat. Die fünf Sätze, drei tiefsinnige "Largo"- und zwei erschütternde "Allegro"-Teile, wurden vom Orchester in allen Soli-Passagen (Violine, Viola, Cello) und in den grandios gespielten Tutti fabelhaft hörplastisch und gefühlsmäßig stark beeindruckend dargeboten. Konrad von Abel bewirkte mit dem Vortrag dieses Werkes, dass das "Lienzinger Klangphänomen" der Frauenkirche zum Abschluss des Konzertes noch voll zum Tragen kam.
Helmut Müller
Bietigheimer Zeitung - 29.07.03

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Geist des Maestro

"Zum Finale des ersten Celibidache Festivals "Verschattetes Finale des 1. Celibidache-Festivals: Höhepunkt und Abschluss sollte Bruckners Vierte, die "Romantische" mit Zubin Metha im Prinzregententheater werden. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters flog der aber in die USA und überließ Konrad von Abel die Münchner Philharmoniker.Der langjährige Assistent Celibidaches beschwor kongenial die alten Geister: Sparsamer Schlag, mehr Ökonomie als Überschwang bestimmen sein Dirigieren. Viele Einsätze überließ er dem kundigen Orchester, das in seiner Bruckner-Kompetenz (wie schon kürzlich in der Siebten mit Metha) nie fehlgeht. In den filigranen Übergängen und der Piano-Mystik von Celi-Kantilenen und Blechbläser-Verklärung gelang es ihm aber, etwas vom Atem
des Maestro über das Orchester kommen zu lassen. Ein Beifallssturm, der nie geendet hätte, dankte. Wäre nicht noch ein Film eingeblendet worden..."
Süddeutsche Zeitung - 23. Oktober 2002, Klaus P. Richter

Bruckners Vierte – Konrad von Abel
dirigierte die Münchner Philharmoniker

Zu einem denkbar späten Zeitpunkt, nämlich buchstäblich von heute auf morgen, sprang er ein. Der Tod seines Vaters hatte Zubin Mehta gehindert, das Bruckner-Programm der Münchner Philharmoniker im Prinzregententheater zu dirigieren. Doch das ist nur einer der Umstände, unter denen Konrad von Abel kurzfristig die Leitung der Philharmoniker übernahm. Denn das Konzert mit Bruckners 4. Symphonie fand statt zugunsten der Sergiu-Celibidache-Stiftung. Celibidache jedoch, der große langjährige Chef des Orchesters, war nicht nur Probenfanatiker, sondern auch der Lehrer Konrad von Abels.
Der Erwartungsdruck war also enorm, und der junge, ehrgeizige und an Celibidaches Persönlichkeit geschulte von Abel hat ihn souverän gemeistert. Noch dazu auswendig (!), ohne jegliche Unsicherheit, schultert er den Koloss. Man sollte sich nun, nicht nur angesichts der provisorischen Situation, davor hüten, zu spekulieren, was nun Celibidaches Lehrerleistung ist und was wohl in seinem Sinne geschieht. Das Resultat selbst ist es, das von Abel reüssieren läßt. Ab dem berühmten Streichertremolo, das die Philharmoniker immer ein bißchen unirdischer und leuchtender hinbekommen, wird der Wille deutlich, der Aufführung einen eigenen Stempel aufzudrücken. Wichtig scheint von Abel zunächst, die Großform ruhig zu entwickeln, Steigerungen, gerade in den Ecksätzen, schwingen wellenartig aus, sie sind aber scharf von den übrigen Blöcken geschieden.
Damit ist die Satzarchitektur gleichsam strebenartig verstärkt, weniger aus einem Grund-gedanken entwickelt. Von Abel kann sich, solchermaßen organisierend, besonders dem Einzelmoment zuwenden. Und siehe da, gleichsam spontan entdeckt sich da ein Orchester in einer Symphonie. Besonders die engagierten Holzbläser gewinnen gegenüber dem robusten Streicherkörper an Profil...
Vielleicht sind die Zeiten, als man noch ein einziges Einspringkonzert als endgültiges Karrieresprungbrett nutzen konnte, vorbei. Konrad von Abel verdiente nun, mit den Phiharmonikern ein eigenes Programm zu erarbeiten.“
Landshuter Allgemeine, 23.Oktober 2002, Michael B. Weiß

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Charaktervolle Interpretationskunst
Orchestre des Régions Européennes gastierte in Lienzingen

"LIENZINGEN. - Ein unbeschwert heiteres und unterhaltsames Sonntagskonzert war dies nicht. Stattdessen offerierte das Orchestre de l'Académie de Montbozon aus dem französischen Jura bei der vorletzten Matinee des "Musikalischen Sommers" nachhaltig wirksame Streichorchestermusik von ganz besonderer Qualität. Beispielsweise eine mitreißende Interpretation von Béla Bartóks Divertimento aus dem Jahre 1939, dessen drei Sätze in der Lienzinger Frauenkirche wie aus einem erratischen Block herausgemeißelt präsentiert wurden - scharfkantig mit gleißendem Schliff, exakt modelliert in seinen lebhaften rhythmischen Strukturen und burlesk volkstümlichen Melodiepassagen, charaktervoll in den schrundigen solistischen Skalen, den wilden Abbrüchen und Neueinsätzen.
Nicht nur eine kleine Sensation bot die deutsche Erstaufführung der Sinfonietta für Streichorchester, die der 1961 geborene französische Tonsetzer Nicolas Bacri erst vor gut einem Jahr geschrieben und als op. 72 uraufgeführt hat. Sensationell war nicht nur die persönliche Anwesenheit des namhaften Komponisten in der Frauenkirche, sondern das Werk selbst. Nach der zwischen zartem Saitengeflüster und Klangfülle dramatisch anschwellenden Ouverture setzte die Méditation samt einem Adagio quasi passacaglia mit samtig schimmernder Violinstimme ein, eine zweite folgte satt und getragen, bis die schwebenden Klangflächen von voluminös kulminierenden Bässen untermalt und massiv abgestützt wurden. Der letzte Satz, die Introduction et Sonatine d'après un thème de Marin Marais, erfreute beim Zuhören mit flirrendem Klangschmuck und einem barock wuchtigen Abschluss.
Das erstmals in Deutschland auftretende, vor vier Jahren gegründete Orchester steht unter der musikalischen Leitung des 1958 in Stuttgart geborenen Dirigenten Konrad von Abel. Dass der interessante Orchesterleiter ein Schüler des legendären Sergiu Celebidache ist, zeigte sich nicht zuletzt mit den beiden Stücken, die vor der Pause gespielt wurden. In episch breit und lastend ausgekosteten Tempi konnten sich Johann Sebastian Bachs "Ricercar a sei voci" aus dem "Musikalischen Opfer" und Felix Weingartners Orchesterbearbeitung der "Großen Fuge in B-dur für Streichquartett" von Ludwig van Beethoven gleichsam zeitlupenhaft und unerhört transparent entfalten."
Pforzheimer Zeitung - 9. September 2002

Fotos oben: Münchner Philharmoniker, Konrad von Abel, 20.10.2002 München
Fotos unten: Orchestre de Régions Européennes, Konrad von Abel und Nicolas Bacri,
Konzert am 18. Oktober 2002 im Prinzregententheater München.

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